Irak
US-Soldaten verhaften sunnitischen Geistlichen

US-Soldaten haben nach irakischen Angaben einen führenden sunnitischen Geistlichen im Norden des Landes vorübergehend festgenommen. Scheich Dschamal Abdel Karim al-Dabaan und seine zwei Söhne seien nach einigen Stunden freigelassen worden, sagte ein irakischer Vertreter des US-irakischen Koordinierungszentrums am Samstag.

HB BAGDAD. Die Hausdurchsuchung am frühen Morgen auf dem Anwesen des hochrangigen sunnitischen Mufti in Tikrit sei auf Grund von mangelhaften Geheimdienstinformationen erfolgt. Die US-Armee habe sich daher bei Dabaan entschuldigt. Vom US-Militär war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Die meisten Einrichtungen der Provinzregierung hatten aus Protest wegen des Vorfalls die Arbeit niedergelegt, wie der Vize-Gouverneur der Provinz Salahaddin, Abdullah Hussein, der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Dabaan besitzt unter den sunnitischen Gläubigen eine hohe religiöse Autorität. Unter Präsident Saddam Hussein dominierte die sunnitische Minderheit das Land. Der Aufstand im Irak wird insbesondere von Sunniten getragen. Tikrit ist Saddams Heimatstadt.

Unterdessen kamen bei einem Anschlag in der nördlich gelegenen Stadt Kirkuk ein lokaler Geheimdienstchef und zwei seiner Leibwächter ums Leben. Mussa Hachim sei bei der Explosion einer Bombe am Straßenrand in seinem Auto getötet worden, teilte die Polizei mit. Hachim war ein ethnischer Araber. In Kirkuk leben Mitglieder unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen. Die Spannungen zwischen ihnen haben besonders zugenommen, seit die Kurden wieder mehr Einfluss in der Stadt suchen. Saddam Hussein hatte während seiner Herrschaft versucht, die ölreiche Stadt mit einem „Arabisierungsplan“ in der Zusammensetzung ihrer Bewohner zu verändern.

Um die Spannungen in der Bevölkerung und die ausufernde Gewalt im Land einzudämmen, will Ministerpräsident Nuri al-Maliki nach Angaben aus politischen Kreisen am Sonntag einen nationalen Plan der Versöhnung im Parlament vorlegen. Ziel des 28 Punkte umfassenden Programms sei es, den Aufstand sunnitischer Extremisten zu brechen und die religiös motivierte Gewalt zu stoppen. Zudem solle der Dialog mit den Rebellen gesucht und dabei etwa eine gemeinsame Definition des Terrorbegriffs gefunden werden.

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