Irakische Zivilisten getötet
US-Soldaten droht Klage wegen Massaker

Wegen der Tötung von bis zu zwei Dutzend irakischen Zivilisten könnten mehrere US-Soldaten angeklagt werden. Den Marineinfanteristen werde möglicherweise vorgeworfen, die Iraker im November 2005 in der Stadt Haditha ermordet zu haben, sagte ein Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums. Der „Los Angeles Times“ zufolge sind Ermittler zu dem Schluss gekommen, dass ein Dutzend Soldaten absichtlich unbewaffnete Zivilisten getötet hatten. Zuvor sei ein Kamerad bei einem Anschlag ums Leben gekommen.

mzi/HB WASHINGTON. „Unsere Truppen haben wegen der enormen Belastung überreagiert, und sie töteten kaltblütig unschuldige Zivilisten“, hatte vergangene Woche John Murtha, Abgeordneter der Demokratischen Partei im US-Repräsentantenhaus, gesagt. Die Soldaten seien in die Häuser gelaufen und hätten wehrlose Frauen und Kinder getötet.

Die amerikanische Armee nimmt die Berichte offenbar sehr ernst. Der Kommandeur des Marinekorps, General Michael Hagee, reiste in der vergangenen Woche überraschend in den Irak. „Es besteht das Risiko, dass man gegenüber dem Verlust von Menschenleben gleichgültig wird – und Schande über sich selbst bringt“, sagte Hagee. Er wolle die Soldaten seiner Einheiten ermahnen, nur zu töten, „wenn dies gerechtfertigt ist“.

Die Behörden in Washington ermitteln parallel, ob nach den Ereignissen von vorgesetzten Stellen der Versuch unternommen worden war, den genauen Sachverhalt zu vertuschen. So hätten die ersten Berichte, die von den US-Streitkräften über Haditha herausgegeben worden waren, lediglich davon gesprochen, dass mehrere Menschen durch eine Straßenbombe getötet worden seien. US-Präsident George W. Bush hatte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem britischen Premier Tony Blair Ende der Woche Fehler im Irak eingeräumt. Die Misshandlungen im US-Militärgefängnis von Abu Ghraib seien „der größte Fehler“ gewesen, den die USA im Irak gemacht hätten.

Derweil plant die USA einem Militärvertreter zufolge die Kontrolle über einzelne irakische Provinzen in den kommenden Monaten an die einheimische Polizei übertragen. Nadschaf und Kerbela im Zentrum des Landes könnten innerhalb von drei Monaten vollständig unter der Kontrolle irakischer Sicherheitskräfte stehen, sagte der US-Militärangehörige.

Italien will nach einem Zeitungsbericht offenbar bereits im Juni damit beginnen, 1 100 seiner 2 700 Soldaten aus dem Irak abzuziehen. Dies hat der neue italienische Ministerpräsident Romano Prodi beschlossen. Bis Oktober sollen dann sämtliche Truppen den Irak verlassen haben.

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