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Irakischer Präsident Talabani vereidigt

Einen Tag nach seiner Wahl zum neuen irakischen Präsidenten hat Kurdenführer Dschalal Talabani am Donnerstag den Amtseid abgelegt und den Schiiten Ibrahim al-Dschafari mit der Regierungsbildung beauftragt.

dpa BAGDAD. Einen Tag nach seiner Wahl zum neuen irakischen Präsidenten hat Kurdenführer Dschalal Talabani am Donnerstag den Amtseid abgelegt und den Schiiten Ibrahim al-Dschafari mit der Regierungsbildung beauftragt.

„Kraft der dem Präsidentschaftsrat übertragenen Autorität und mit Blick auf deine Tüchtigkeit, dein Wissen, deine Tapferkeit und die hohen sittlichen Werte haben wir entschieden, dich zu beauftragen, das Amt des Ministerpräsidenten zu übernehmen“, sagte Talabani vor dem Parlament in Bagdad.

Irakische Beobachter rechnen damit, dass die Regierungsbildung noch mindestens zwei Wochen in Anspruch nehmen wird. Nach dem Fahrplan zur Demokratie soll die neue Übergangsregierung bis zu den nächsten Wahlen im Amt bleiben, die für Ende dieses Jahres geplant sind. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass dieser Zeitplan nicht eingehalten wird.

Talabani dankte in seiner Antrittsrede vor dem Parlament dem schiitischen Großajatollah Ali al-Sistani, weil dieser maßgeblich zu den Parlamentswahlen Ende Januar beigetragen habe. Die Sunniten, die den Wahlgang mehrheitlich boykottiert hatten, forderte er auf, sich am demokratischen Prozess und an der Bekämpfung des „schwarzen, importierten Terrors“ zu beteiligen. Die Terroristen im Irak sind fast ausschließlich sunnitische Muslime.

Zusammen mit Talabani wurden die beiden Vizepräsidenten, der Schiit Adel Abdel Mahdi und der Sunnit Ghasi al-Jawar, vereidigt. Die Drei waren am Mittwoch vom Parlament gewählt worden. Talabani betonte in seiner im Fernsehen direkt übertragenen Rede auch die Rechte der verschiedenen ethnischen und religiösen Gemeinschaften des Irak. Die Kurden und die arabischen Schiiten und Sunniten seien die wichtigsten Volksgruppen des Irak, doch auch die Rechte der Turkmenen und anderen Minderheiten müssten im neuen Irak respektiert werden. Die Arabische Liga sowie Iran und Syrien beglückwünschten Talabani zu seinem Amt.

Al-Dschafari ist der Vorsitzende der islamischen Dawa-Partei. Talabani forderte ihn auf, sofort mit den Verhandlungen zur Bildung seines Kabinetts zu beginnen. Hinter den Kulissen verhandeln die Sieger der Parlamentswahlen bereits seit der Bekanntgabe des Wahlergebnisses über die Besetzung der Ministerien. Arabische Medien berichteten außerdem, als stellvertretender Ministerpräsident sei der einstige Pentagon-Günstling Ahmed Chalabi im Gespräch. Umstritten soll vor allem noch die Besetzung des Ölministeriums sein. Unklar ist auch, ob das Wahlbündnis des Ministerpräsidenten der scheidenden Übergangsregierung, Ijad Allawi, das bei den Wahlen im Januar den dritten Platz hinter der Schiiten-Allianz und den Kurdenparteien belegt hatte, an der neuen Regierung beteiligt sein wird.

Ein Selbstmordattentäter sprengte sich in der nordirakischen Stadt Tel Afar neben einer US-Militärpatrouille in die Luft und verletzte dabei nach Angaben von Ärzten vier irakische Zivilisten. In der Nacht zum Donnerstag töteten Aufständische nach Polizeiangaben in Tikrit zwei Fahrer von Tanklastwagen.

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