Irakkrise
Kurdische Minister setzen Regierungsarbeit aus

Nachdem sich Spannungen zwischen den kurdischen Ministern und der Regierung verschärft hatten, kündeten erstere jetzt die Mitarbeit in der Regierung auf. Kurdische Milizen übernehmen derweil weitere Ölquellen.
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BagdadIm Irak eskaliert der Konflikt zwischen Kurden und der von Schiiten geführten Regierung. „Wir haben unsere Regierungsgeschäfte ausgesetzt“, sagte am Freitag Außenminister Hoschijar Sebari, der zur kurdischen Bevölkerung gehört. Gleichzeitig übernahmen kurdische Peschmerga-Einheiten die Kontrolle über zwei Ölfelder in der Nähe von Kirkuk im Norden des Irak, wie das Ölministerium in Bagdad mitteilte. Arabische Mitarbeiter seien durch kurdisches Personal ersetzt worden.

Bereits am Donnerstag hatten die kurdischen Minister in der Übergangsregierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki angekündigt, den wöchentlichen Kabinettstreffen fernzubleiben. Nun erklärte Sebari, dass zusätzlich das Tagegeschäft seines Ministeriums sowie des Handels-, Migrations- und Gesundheitsministeriums ausgesetzt werde. Die Maßnahmen seien eine Reaktion auf Malikis Behauptung, die kurdische Stadt Ebril sei zu einer Hochburg der radikalen Sunniten-Gruppe Islamischer Staat geworden. Die Kurden würden aber weiterhin an Parlamentssitzungen teilnehmen, sagte Sebari.

Der islamische Staat hat in den vergangenen Wochen weite Landstriche unter seine Kontrolle gebracht. Der Irak droht inzwischen in drei Gebiete zu zerfallen: Der autonomen Kurdenregion im Norden, einem schiitischen Teil im Süden, der noch unter der Kontrolle der Zentralregierung ist, und dem Gebiet des radikal-sunnitischen Islamischen Staates, der ein länderübergreifendes Kalifat im Irak und im benachbarten Syrien ausgerufen hat.

Auch die Kurden zeigen Abspaltungstendenzen. Der Chef der Autonomie-Regierung, Massud Barsani, rief das Parlament in der vergangenen Woche auf, eine Volksbefragung zur Unabhängigkeit vorzubereiten. Die gut organisierte Miliz der Volksgruppe hat die Kontrolle in Orten im Nordirak übernommen, die von den Sicherheitskräften der Zentralregierung während der Kämpfe gegen die Islamisten verlassen wurden. Dazu gehört insbesondere die Ölstadt Kirkuk.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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