Iran-Atomgespräche
Russland sieht Einigung, USA widersprechen

Die selbstgesetzte Frist für die Atomgespräche zwischen Iran und UN-Vetomächten ist abgelaufen - doch die Teilnehmer verhandeln weiter. Russland meldet einen Durchbruch - die USA widersprechen.
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LausanneDie Verhandlungen über ein Abkommen zum iranischen Atomprogramm sollen am Mittwochmorgen fortgesetzt werden. Iranische Medien nannten als Anfangszeit 08.00 Uhr. Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif sagte in Lausanne: „Wir haben einiges erreicht. Ich hoffe, wir können die Arbeit am Mittwoch zu Ende führen.“

Die Gespräche waren in der Nacht zunächst auch nach Ablauf der selbstgesetzten Frist um Mitternacht fortgesetzt worden. Dabei ist nach Angaben Russlands eine grundsätzliche Einigung erzielt worden. Die Nachrichtenagentur RIA Nowosti zitierte den russischen Außenminister Sergej Lawrow am frühen Mittwochmorgen mit den Worten, diese Einigung betreffe "alle Schlüsselfragen". Dies werde nun "innerhalb der kommenden Stunden oder eines Tages auf Papier gebracht".

Ein US-Regierungsvertreter widersprach der Darstellung Russlands. Es seien noch nicht "alle Fragen" geklärt, sagte er am frühen Mittwochmorgen der Nachrichtenagentur AFP. Neben Russland, den USA und dem Iran sitzen China, Großbritannien, Frankreich sowie Deutschland mit am Verhandlungstisch.

US-Außenminister John Kerry, der die Gespräche am Dienstag verlassen wollte, bleibt nach Angaben von Außenamtssprecherin Marie Harf zufolge bis Mittwoch. Ein iranischer Unterhändler sagte, sein Team könne solange bleiben, „wie es notwendig ist“, um die bestehenden Hürden aus der Welt zu räumen. Der chinesische Außenminister flog indessen zurück nach Peking und wird nun von seinem Stellvertreter repräsentiert. In Washington sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, beide Seiten arbeiteten an einem Dokument, in dem sie sich zu weiteren Gesprächen bekennen.

Ursprünglich wollten der Iran, die fünf UN-Vetomächte und Deutschland bis Dienstag um Mitternacht ein Rahmenabkommen für Teherans umstrittenes Nuklearprogramm erreichen. Bis 30. Juni soll ein endgültiges und dauerhaftes Abkommen unter Dach und Fach sein. Die internationale Gemeinschaft will damit den Bau einer iranischen Atombombe ausschließen. Im Gegenzug hofft der Iran auf Aufhebung internationaler Sanktionen, die seine Wirtschaft lähmen.

Im Laufe des Dienstag hatte es noch Optimismus unter den Teilnehmern gegeben, dass die Frist eingehalten und der seit Jahren andauernde Streit bald beigelegt werden könne. Dabei zeichnete sich aber bereits ab, dass das Rahmenabkommen kein Durchbruch sein würde, sondern eine eher vage gehaltene Erklärung.

Bei den Verhandlungen in den vergangenen sechs Tagen in Lausanne gab es in einigen Punkten Annäherung zwischen den Seiten, etwa bei der Urananreicherung. Es wurde aber nach wie vor unter anderem darüber gestritten, wie lange das Abkommen letztlich gelten soll, wann welche Sanktionen gegen Teheran aufgehoben werden und inwieweit der Iran hochmoderne Zentrifugen entwickeln darf, wie die Nachrichtenagentur AP von Unterhändlern erfuhr.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warnte am Dienstag erneut davor, dass ein Abkommen mit Teheran einen Großteil der dortigen Infrastruktur für den Bau von Atomwaffen intakt lasse, darunter Untergrundinstallationen, einen Plutoniumreaktor und hochleistungsfähige Zentrifugen für die Anreicherung von Uran.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Mir ist nicht ganz klar warum zusätzlich zu den fünf Vetomächten nicht die Türkei anstelle von Deutschland an den Verhandlungen teilgenommen hat.
    Die Türkei ist bei weitem am einem Abkommen interessiert als Deutschland.
    In der Zukunft wird sowieso die Türkei eine wesentlich wichtigere Rolle in der Region spielen als Deutschland.

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