Iran-Atomverhandlungen
Warten auf Lawrow hat ein Ende

Um Mitternacht läuft die selbst gesetzte Frist für eine Einigung mit dem Iran ab. Die Verhandlungen über das Atomprogramm gehen daher unter Hochdruck weiter. Der russische Außenminister ist wieder mit von der Partie.
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Lausanne/WashingtonWenige Stunden vor dem Ablauf der selbst gesetzten Frist sind am Dienstagmorgen in Lausanne die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm fortgesetzt worden. In Lausanne traf Bundesaußenminister Frank-Walter-Steinmeier (SPD) am Morgen mit seinen Kollegen aus den USA, Frankreich, Großbritannien und China zusammen, wie ein AFP-Reporter berichtete. Später soll der iranische Außenminister Dschawad Sarif dazustoßen.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow nahm zunächst nicht an den Beratungen teil, kehrte nach kurzem Aufenthalt in Moskau nach Lausanne zurück. Er bezeichnete die Verhandlungen als „gut“. „Ich nehme an der Schlusssitzung in Lausanne teil“, sagte Russlands Chefdiplomat am Dienstag der Agentur Interfax zufolge in Moskau. Die Frist zur Vereinbarung einer politischen Grundsatzvereinbarung läuft um Mitternacht ab.

Die sogenannte 5+1-Gruppe aus den fünf Uno-Vetomächten und Deutschland bemüht sich seit Jahren um eine Einigung mit dem Iran über dessen Atomprogramm. Ziel ist es, dem Land die zivile Nutzung der Atomtechnologie zu erlauben, es aber an der Entwicklung von Atomwaffen zu hindern. Im Gegenzug sollen Sanktionen gegen Teheran aufgehoben werden. Bis Ende Juni soll ein vollständiges Abkommen samt technischen Einzelheiten vereinbart werden.

„Wir arbeiten bis spät in die Nacht und offenkundig in den Morgen“, erklärte US-Außenminister John Kerry am Montagabend. „Da ist heute ein bisschen mehr Licht, aber es gibt immer noch heikle Fragen.“ Der US-Außenminister verhandelt seit Donnerstag mit seinem iranischen Kollegen Sarif. Die anderen Unterhändler stießen am Wochenende hinzu. Die Verhandlungen kreisen um die Frage, wie weit der Iran sein Programm zur Urananreicherung zurückfahren muss und wie lange er die Nutzung von Technologie begrenzt, die zur Entwicklung von Atomwaffen führen kann. Weitere Hindernisse sind Fragen von Forschung und Entwicklung sowie Terminierung und Ausmaß der Lockerung von Sanktionen, wie aus Teilnehmerkreisen verlautete.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verwies bei seiner Kritik an den Atomverhandlungen auf die iranische Unterstützung für die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen. Ein Atomabkommen jetzt würde „eine Belohnung für die iranische Aggression“ bedeuten. „Aber wir verschließen nicht unsere Augen, und wir werden weiterhin gegen jede Bedrohung vorgehen“, erklärte Netanjahu.

Eine Mehrheit der US-Bürger befürwortet hingegen einer Umfrage zufolge ein Abkommen mit der Islamischen Republik. 59 Prozent der Befragten sprachen sich in einer am Montag (Ortszeit) veröffentlichten repräsentativen Erhebung der Zeitung „Washington Post“ und des Senders ABC News für ein Einigung aus, bei der im Gegenzug für eine Einschränkung des iranischen Atomprogramms die Sanktionen gegen das Land gelockert würden. 31 Prozent waren demnach dagegen.

Die Unterstützung für einen Deal werde von einer Mehrheit aller politischen Lager getragen, hieß es. 60 Prozent der keiner Partei zugehörigen Befragten und zwei Drittel der befragten Demokraten waren demnach dafür. Bei den befragten Republikanern unterstützten 47 Prozent eine Einigung, 43 Prozent waren dagegen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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