Iran: Behörden nehmen Bruder des Präsidenten fest

Iran
Behörden nehmen Bruder des Präsidenten fest

Der Bruder von Präsident Hassan Ruhani ist iranischen Hardlinern schon lange ein Dorn im Auge. Nun wurde der ranghohe Diplomat wegen „finanzieller Unregelmäßigkeiten“ festgenommen. Auch ein US-Amerikaner wurde verhaftet.
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TeheranIm Iran ist der Bruder von Präsident Hassan Ruhani festgenommen worden. Ein Sprecher des Gerichtswesens, Gholamhosein Mohseni Edschehi, erklärte am Sonntag, Hossein Fereidun befinde sich aufgrund finanzieller Unregelmäßigkeiten derzeit in Gewahrsam. Er könne gegen Kaution freigelassen werden, das Geld sei jedoch bisher nicht gezahlt worden. Edschehi teilte außerdem mit, dass ein Mann mit chinesischem und amerikanischem Pass zu zehn Jahren Haft verurteilt worden sei, da er den Iran „infiltriert“ und Informationen gesammelt habe.

Fereidun ist ein enger Vertrauter von Präsident Ruhani. Der änderte vor mehreren Jahren seinen damaligen Nachnamen Fereidun in Ruhani, was „spirituell“ bedeutet. Der Bruder des Präsidenten war Teil eines Verhandlungsteams, das 2015 das Atomabkommen zum Abschluss brachte und so eine Lockerung der internationalen Sanktionen erreichte.

Bei den iranischen Hardlinern, die großen Einfluss in der Justiz haben, stieß das Abkommen auf scharfe Kritik. Fereidun hatten sie bereits in der Vergangenheit Geldwäsche und Veruntreuung von Regierungsgeldern vorgeworfen. Bewiesen wurden die Anschuldigungen allerdings nicht.

Der chinesisch-amerikanische Mann wurde als der 37-jährige Xiyue Wang identifiziert. Nach Angaben der mit dem iranischen Justizwesen verbundenen Webseite Mizan Online war er als Student in den Iran gekommen. Er wurde bislang nicht zu den Amerikanern gezählt, die in der Islamischen Republik festgenommen worden sind.

Justizsprecher Edschehi hatte den Namen des Mannes zuvor nicht erwähnt. Auch die genauen Vorwürfe, die zur Verurteilung geführt hatten, wurden nicht bekannt.

Das US-Außenministerium konnte zunächst keine Einzelheiten zu dem Fall nennen. In einer Mitteilung an die Nachrichtenagentur AP kritisierte es jedoch den Umgang des Irans mit Ausländern. „Das iranische Regime hält weiter US-Bürger und andere Ausländer wegen erfundener Anschuldigungen zur nationalen Sicherheit fest“, hieß es in der Erklärung. Das Ministerium rufe deshalb zur sofortigen Freilassung aller unberechtigt festgenommenen Amerikaner auf.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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