Iran
Für Atomwaffen braucht Teheran jetzt Zentrifugen

Vollmundig hat der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärt, sein Land gehöre nun zum Klub der Atommächte. Doch definiert man diese Zugehörigkeit nach der Fähigkeit, Atomwaffen zu produzieren, dann ist Teheran noch ein gutes Stück von diesem Ziel entfernt.

BERLIN. David Albright, Präsident des Instituts für Wissenschaft und Internationale Sicherheit in Washington, kommentiert die jüngste Entwicklung so: „Sie (die Iraner) müssen noch eine Menge lernen, um angereichertes Uran in bedeutendem Umfang herstellen zu können. Und sie müssen noch viel mehr Zentrifugen bauen.“

Albright wie viele andere Atomexperten blicken gerne auf die Zahl der Zentrifugen, um den Stand einer Waffentechnologie zu beurteilen. Erst durch die Rotation der Zentrifugen kann das Uranium 235 angereichert werden. Mit diesem Material können dann Atomreaktoren betrieben bzw. nukleare Sprengsätze produziert werden. Die 164 Zentrifugen, die nun offenbar in Natanz arbeiten, reichen dabei zwar aus, um die Technologie zu testen. Allerdings würde es sehr lange dauern, um mit ihnen genügend Uran für auch nur eine einzige Bombe herzustellen.

Der nächste logische Schritt besteht daher in der Erhöhung der Menge der Zentrifugen. Eben dies hat gestern der Leiter der iranischen Atombehörde, Mohammad Saidi, angekündigt. „Wir werden die Urananreicherung in der Atomanlage Natanz industriemäßig ausbauen“, sagte Saidi. Die Regierung habe die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) informiert, bis zum Jahresende 3 000 Zentrifugen in Natanz zu installieren. Am Ende des Prozesses sollen sogar bis zu 54 000 Zentrifugen für die Urananreicherung zum Einsatz gebracht werden. Die Herkunft der iranischen Zentrifugen ist bis heute nicht abschließend geklärt.

Dies ist daher auch eine der Fragen, die der Uno-Sicherheitsrat von der iranischen Führung innerhalb der Ende März gesetzten 30–Tage-Frist beantwortet haben will. Teheran hatte ganz offensichtliche Kontake zum pakistanischen Atomwissenschaftler Abdul Qadir Khan, dem Vater der pakistanischen Bombe. Von dort hat das Land in den 90er Jahren vermutlich Zentrifugen, aber auch technische Anleitungen bezogen. Unklar ist indes der Gesamtumfang der Kooperation und welche Rolle dabei militärische Zwecke gespielt haben.

Wenn der iranische Präsident nun sagt, dass die Aktivitäten seines Landes sämtlich im Rahmen der IAEO stattfänden und auch kontrolliert werden könnten, so trifft dies nur einen Teil der Wahrheit. Denn häufig hat Teheran mit verdeckten Karten gespielt. So war es im August 2002 eine iranische Oppositionsgruppe, die über bis dahin geheime Anlagen zur Urananreicherung und Schwerwasserproduktion berichtete. Im Zuge der weiteren IAEO-Recherchen stieß die Wiener Behörde zudem immer wieder auf neue Fakten, die Teheran eigentlich hätte melden müssen. Der Generaldirektor der IAEO, Mohammes El Baradei, sprach deshalb von einer „Politik der Täuschung“.

Dennoch gilt noch immer, dass Iran auch mit der nun erklärten Anreicherung nicht gegen den Atomwaffensperrvertrag verstößt. Der Streit mit Teheran entzündet sich alleine daran, dass man im Ausland nicht weiß, was Teheran mit seinem Wissen tatsächlich vor hat - und dass man der iranischen Führung nicht glaubt.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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