Iran
Iran wirft die Uran-Zentrifugen an

Die Absage aus Teheran an weitere Verhandlungen mit Moskau über eine Anreicherung iranischen Urans auf russischem Territorium war wohl nur die Konsequenz dessen, was sich im Iran selber vollzieht: In der Nuklearfabrik in Natans laufen die Zentrifugen für die eigene Uran-Anreicherung wieder.

HB WIEN/TEHERAN. Die Nachrichtenagenturen dpa und Reuters berichten unter Berufung auf westliche Diplomaten, in Anlage von Natans hätten Techniker in den vergangenen Tagen damit begonnen, gasförmiges Uranhexafluorid in einige Zentrifugen einzuleiten. In diesen sich schnell drehenden Trommeln lässt sich das Uran-Isotop, mit dem sich Atombomben herstellen lassen, separieren. Je nach Anreicherungsgrad kann das so behandelte Uran der Energiegewinnung oder dem Bombenbau dienen. Sprecher der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEA in Wien wollten die Information zunächst nicht kommentieren.

Am Montagmorgen hatte der Sprecher des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad ein für Donnerstag vorgesehenes Treffen iranischer Diplomaten mit Vertretern der russischen Regierung abgesagt. Es gebe noch keinen Termin für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen, hieß es. Als Grund für die Entscheidung nannte der Sprecher die „neue Situation“. Damit bezog er sich offensichtlich auf die Entscheidung der Internationalen Atomenergiebehörde, den Streit über das iranische Atomprogramm vor den UN-Sicherheitsrat zu bringen. Russland hatte dem Iran vorgeschlagen, iranisches Uran anzureichern und dann an den Iran zurückzuschicken. Der Anreicherungsgrad sollte nur zur Energiegewinnung genügen.

In Berlin ist unterdessen ein offener Streit darüber ausgebrochen, wie sich die große Koalition in der Frage eines möglichen Militärschlags gegen iranische Ziele positioniert. Politiker von SPD und Union kritisierten die Haltung von SPD-Chef Matthias Platzeck, der erklärt hatte, eine militärische Option im Streit um das Atomprogramm des Iran müsse „vom Tisch“.

Der SPD-Politiker Hans-Ulrich Klose, der der stellvertretender Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags ist, sagte dazu: „Ich halte eine militärische Lösung nicht für wünschenswert. Aber es ist richtig, keine Option vom Tisch zu nehmen“, sagte der SPD-Politiker Hans-Ulrich Klose. Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold sagte: „Man sollte nicht jetzt schon alles bis zu Ende durchspielen, aber man sollte auch nicht sagen, was man nicht tun würde.“

Auf Seiten der Union meinte der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff, nur die klare Linie von Kanzlerin Angela Merkel verhindere, „dass der iranische Präsident weiter Druck macht“. Dagegen spiele Streit in der Außenpolitik anderen Nationen in die Hände. Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Wolfgang Bosbach, sagte, zwar werde auf eine diplomatische Lösung gesetzt, letztendlich dürften aber auch militärische Möglichkeiten nicht ausgeschlossen werden.

Merkel hatte die Situation im Iran mit der Entwicklung Deutschlands während des aufkommenden Nationalsozialismus verglichen. Dies war als Argument für eine mögliche militärische Intervention verstanden worden. Allerdings hatte Merkel erklärt, oberste Priorität habe eine diplomatische Lösung beim Streit um das iranische Atomprogramm.

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