Iran
Israelis sehen den alten Feind in neuem Licht

Angesichts der Proteste in Teheran sehen viele Israelis Iran heute mit anderen Augen. Dominierte bislang ein homogenes Feindbild, zeigen die Kundgebungen der Opposition und die via Internet übermittelten Reportagen den Bürgern nun, dass die islamische Republik auch eine andere Seite hat. Premierminister Netanjahu hofft auf bessere Beziehungen nach Umsturz.

TEL AVIV. Diplomaten in Jerusalem erwarten allerdings, dass der umstrittene Wahlsieger Mahmud Ahmadinedschad am Ende die Oberhand behält – und Irans Atomprogramm ein ungelöster Streitpunkt mit dem Westen bleibt.

Israels Regierung hatte sich anfänglich nicht zu den Vorgängen in Teheran geäußert. Jede Unterstützung der Reformer durch israelische Politiker hätte den Leuten um Mir-Hossein Mussawi geschadet, meint der Jerusalemer Politologe Shlomo Aronson. Doch seit dieser Woche halten sich israelische Politiker nicht mehr zurück: „Ich glaube, dass dem iranischen Regime die Maske vom Gesicht gerissen worden ist“, sagte Premier Benjamin Netanjahu in einem vorab veröffentlichen Interview mit der „Bild“-Zeitung. Ein möglicher Machtwechsel könnte sich positiv auf die Beziehungen zwischen Israel und Iran auswirken, so Netanjahu: „Unter einem anderen Regime könnten die friedlichen Beziehungen, die in der Vergangenheit vorherrschten, wiederhergestellt werden“, sagte der Premier. Es sei aber unklar, ob die Proteste tatsächlich zu einem Wechsel in Teheran führen werden.

Niemand könne den Ausgang des Machtkampfs in Iran voraussagen, warnt denn auch Ex-Mossad-Chef Efraim Halevy. Das Unruhepotenzial habe sich bereits vor einiger Zeit erkennen lassen, „aber niemand hatte geglaubt, dass es unmittelbar nach den Wahlen ausbrechen würde“, so Halevy. Das Schlimmste sei noch nicht ausgestanden. Sollten sich am Ende die hinter Mussawi stehenden Kräfte nicht durchsetzen können, würde das zu einer Stärkung der Revolutionsgarden führen. Damit wären die Konservativen gestärkt, also diejenigen, die das Atomprogramm vorantreiben.

Der ehemalige Generalstabschef und jetzige Minister für strategische Fragen Moshe Yaalon erwartet eine Revolution: „70 Prozent der Bevölkerung stehen in Opposition zum Regime der Ajatollahs.“ Er rechne aber auch nach einem Umsturz nicht mit einer Änderung der Atompolitik Teherans. Die iranische Bombe werde allerdings erst in fünf Jahren einsatzbereit sein, schätzt der Geheimdienst Mossad. Damit, so Kommentatoren in Israel, könne die Entscheidung über einen Militärschlag Israels gegen die iranischen Atomanlangen hinausgeschoben werden.

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