Iran-Konflikt
US-Diplomaten befürchten israelischen Angriff

Der Iran hat am Sonntag eine Wiederaufnahme der seit mehr als einem Jahr auf Eis liegenden Gespräche zu seinem Atomprogramm angekündigt. Doch in Israel schwindet offenbar von Stunde zu Stunde mehr die Bereitschaft, auf Verhandlungen zu vertrauen. Die USA ziehen alle diplomatischen Register.
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Tel AvivDie USA wollen nach Medienberichten Israel von einem möglichen Angriff auf den Iran abhalten. Stattdessen wolle die US-Regierung Israel im Atomstreit mit dem Iran dazu bewegen, den Sanktionen gegen Teheran eine Chance zu geben, berichtete die Tageszeitung „Jediot Achronot“. Vor dem Hintergrund der wachsenden Sorge vor einem Angriff kämen ranghohe Vertreter der US-Regierung nach Israel. Tom Donilon, Berater für Nationale Sicherheit, sei bereits am Samstagabend in Israel eingetroffen. Geheimdienstchef James Clapper werde ebenfalls im Verlauf der Woche zu dringenden Gesprächen erwartet.

Die beiden Abgesandten wollten „jede Bemühung unternehmen, einen militärischen Schlag gegen den Iran zu verhindern“, schrieb das Blatt weiter. Man wolle Israel dazu bewegen, den Sanktionen gegen Teheran eine Chance zu geben. Die israelische Führung solle vor militärischen Schritten zunächst abwarten. Israels Regierung erklärte, sie beobachte genau die Bewegung mehrerer iranischer Kriegsschiffe, die am Samstag durch den Suez-Kanal ins Mittelmeer eingelaufen waren. Israels Stabschef Benny Gantz sagte in einem Rundfunkinterview, Israel entscheide allein über einen Angriff auf den Iran.

Der Iran kündigte am Sonntag eine Wiederaufnahme der seit mehr als einem Jahr auf Eis liegenden Gespräche zu seinem Atomprogramm an. Die nächste Gesprächsrunde zwischen dem Iran und den fünf Vetomächten des Uno-Sicherheitsrates sowie Deutschland solle wieder in Istanbul stattfinden, sagte der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi bei einer Pressekonferenz. Einen Zeitpunkt für das Treffen nannte er nicht. Die letzte Verhandlungsrunde des Iran mit der sogenannten 5+1-Gruppe war im Januar 2011 gescheitert. Der Westen wirft dem Iran vor, er versuche unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms Atomwaffen zu entwickeln.

Nach Auffassung von Diplomaten in Wien könnte der Iran in Kürze mit der Installation tausender Uran-Zentrifugen der 4. Generation in der neuen Anreicherungsanlage in der Stadt Fordo beginnen. Die leistungsfähigeren und schnelleren Zentrifugen könnten den Prozess der Urananreicherung deutlich beschleunigen, berichtete die britische BBC am Sonntag unter Berufung auf diplomatische Kreise in Wien.

Die Anlage in Fordo soll bereits seit Januar laufen, allerdings zunächst mit älteren Zentrifugen. Der Westen befürchtet, dass der Iran das in Fordo und einer zweiten, älteren Anlage in der Stadt Natans angereicherte Uran für den Bau einer Atombombe verwenden will. Mit den neuen Zentrifugen wäre die Bereitstellung des dafür notwendigen Urans schneller als bisher möglich. Der Iran selbst behauptet, es sei ausschließlich für zivile Zwecke gedacht.

Ein ranghoher US-Repräsentant sagte der israelischen Zeitung „Haaretz“ vom Sonntag, in den vergangenen sechs Monaten habe Washington verstärkt den Eindruck gewonnen, die Wahrscheinlichkeit eines israelischen Angriffs sei gestiegen. „Wir denken, dass Israel noch nicht entschieden hat, ob es angreift oder nicht, aber es ist uns klar, dass dies ernsthaft erwogen wird“, sagte er. Ein Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu wollte sich am Sonntag nicht zu den Berichten in der Iran-Frage äußern.

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  • FDP Minister die solche grosse Fehler machen wie Westerwelle (FDP) haben die FDP-Partei faktisch erledigt.Jetzt stellt sich heraus das die Kriegsgefahr im Nahost von Israel kommt,(Angriff auf Iran ist schon geplant,siehe diese Zeitung),und nicht von Iran,also Westerwelle hat das falsche Land sanktioniert.Koennte/moechte er das noch berichtigen ???

  • FDP Minister die solche grosse Fehler machen wie Westerwelle (FDP) haben die FDP-Partei faktisch erledigt.Jetzt stellt sich heraus das die Kriegsgefahr im Nahost von Israel kommt,(Angriff auf Iran ist schon geplant,siehe diese Zeitung),und nicht von Iran,also Westerwelle hat das falsche Land sanktioniert.Koennte/moechte er das noch berichtigen ???

  • Es ist traurig aber wahr. Iran braucht was richtig auf die grosse Schnauze. Und das wird auch kommen, so sicher wie das Amen in der Kirche. Warum können wir aber auf diesem schönen Planeten Erde nicht allesamt friedlich und würdevoll zusammenleben? Dieser Frage müssen sich die iranischen Politiker stellen. Die iraniche Bevölkerung -als leidtragende am Ende- kann uns allen bereits jetzt nur leid tun.

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