Iran
Machtkampf der Mullah-Milliardäre

Während das iranische Volk auf die Straße geht, kämpfen die Herrscher im Hintergrund um die Macht. Fernab von der Öffentlichkeit streiten sie darum, wer über die Zukunft des Landes entscheiden darf. Wer im Haifischbecken der Rafsandschanis schwimmt.

BERLIN/TEHERAN. Der Händedruck ist spülmittelweich. Die Stimme gedämpft. Unter dem weißen Turban steckt ein müdes Gesicht. Die weißen Barthaare sprießen nur noch spärlich aus dem vernarbten Kinn – denn der mächtige Geheimdienst des Schahs hatte den Islamgelehrten kurz vor der islamischen Revolution 1979 bei Inhaftierungen immer wieder gefoltert und ihm die Barthaare einzeln ausgerissen.

Der Blick wandert den schlichten, schwarzen Umhang des Mannes herunter und bleibt hängen bei dem Loch im Socken des rechten Fußes, der in einer Plastiksandale steckt. Nichts deutet bei dieser Erscheinung darauf hin, dass Akbar Haschemi Rafsandschani mit einem geschätzten Vermögen von einer Milliarde Dollar wahrscheinlich der reichste der 73 Millionen Iraner ist. Doch tatsächlich ist der 75-Jährige nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich der große Gegenspieler des greisen Revolutionsführers Ajatollah Ali Chamenei.

Dabei hatte Rafsandschani nach seiner Wahl zum Staatspräsidenten 1989 und nach dem Ableben des einstigen Studienvaters der beiden, Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Chomeini, Chamenei selbst zum Nachfolger des obersten Religionsführers durchgesetzt. Und das, obwohl Chamenei schon damals unter führenden schiitischen Geistlichen als wenig kompetent galt. Seit 2007 ist Rafsandschani Chef des Expertenrats – und hält damit wieder einige wichtige Fäden der Macht in der Hand: Das 86-köpfige Gremium der Mullahs ist das einzige Organ, das Chamenei absetzen dürfte, wenn Rafsandschani eine Mehrheit der Mullahs dort zusammenbekäme.

Weniger bekannt ist der Reichtum des Chamenei-Clans – und die wirtschaftliche Rivalität zwischen den beiden Mullahs. Chameneis Sohn Mojtaba musste gerade erleben, dass ihm fast 1,7 Mrd. Dollar an Vermögen in London eingefroren wurden im Rahmen der Uno-Sanktionen gegen Iran. Seither hegt Mojtaba nicht nur Hass gegen England, sondern gilt auch als einer der entschlossensten Gegner der grünen Welle der Veränderung in Iran. Gleichzeitig wirft er den Briten vor, die Umstürzler in Teheran aus der Ferne zu steuern.

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