Iran Proteste treiben Ölpreis – Nobelpreisträgerin ruft zu Bankrun auf

Irans UN-Botschafter macht für die Unruhen im Land US-Präsident Trump persönlich verantwortlich. Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi ermuntert die Protestbewegung, über die Wirtschaft Druck auszuüben.
Update: 04.01.2018 - 08:30 Uhr 2 Kommentare
Iran: Proteste treiben Ölpreis – Nobelpreisträgerin will Bankrun Quelle: AP
Kundgebung für die Mullahs

Die iranische Führung hatte am Mittwoch Hunderttausende Menschen in Gegen-Demonstrationen auf die Straßen gebracht.

(Foto: AP)

TeheranIm Iran gibt es eine Woche nach Beginn von Protesten gegen Führung und Klerus weitere Demonstrationen. In sozialen Medien zeigten Aktivisten, Blogger und Journalisten Videos von Kundgebungen, die in der Nacht auf Donnerstag gefilmt worden sein sollen.

An den Rohstoffmärkten macht sich wegen der Proteste die Sorge breit, dass iranische Rohöl-Lieferungen zumindest zeitweise ausfallen könnten. Daher stieg der Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee am Donnerstag um 0,5 Prozent auf ein Zweieinhalb-Jahres-Hoch von 68,19 Dollar je Barrel. Abgesehen von einem möglichen Streik der Ölarbeiter seien die Unruhen im Iran aber keine direkte Bedrohung für die dortige Ölförderung, betonte Sukrit Vijayakar, Manager bei der Beratungsfirma Trifecta.

Proteste soll es in der Nacht auf Donnerstag etwa in den Städten Noschar im Norden, Bandar Abbas im Süden oder Ahwas und Desful im Südwesten gegeben haben. Ahwas und Desful liegen in der Provinz Chusestan, die ein Zentrum der Proteste ist. Ein Video zeigte Menschen, die Slogans gegen den obersten iranischen Führer Ajatollah Ali Chamenei skandierten. Offenbar gab es auch weitere Festnahmen. Die Nachrichtenagentur Tasmin berichtete am Donnerstag zum Beispiel, dass in der ostiranischen Stadt Birdschand 28 Menschen wegen „illegaler Versammlungen“ in Haft seien. Die Berichte ließen sich unabhängig zunächst nicht bestätigen.

Aufruf zum Bankrun

Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi ruft derweil ihre Landsleute zur Fortsetzung der Proteste gegen die Regierung auf. Die Menschen sollten auf den Straßen bleiben, sagte Ebadi der arabischen Zeitung „Aschark al-Aussat“ zufolge. Dieses Recht sei in der Verfassung des Landes verbrieft. „Wenn die Regierung euch 38 Jahre lang nicht zugehört hat, ist es eure Aufgabe jetzt, der Regierung nicht mehr zuzuhören.“ Zugleich müssten die Menschen wirtschaftlichen Druck ausüben, indem sie ihre Wasser- und Stromrechnungen nicht mehr zahlten und ihr Geld von den Banken abzögen. Ebadi gehört zu den wichtigsten Menschenrechtsanwälten des Landes. Sie hatte 2003 den Friedensnobelpreis erhalten. Ebadi lebt im Exil.

Die Proteste gegen die Regierung in Teheran sind die schwersten seit 2009. Entzündet hatten sie sich am Unmut über die schlechte Wirtschaftslage. Die Regierungskritiker verlieren die Geduld mit Präsident Hassan Ruhani, der bei seiner Wiederwahl im Mai Reformen und Jobs in Aussicht gestellt hatte. Bislang sind 21 Menschen ums Leben gekommen, Hunderte wurden verhaftet. Einheiten der Revolutionsgarden wurden in drei Provinzen entsandt, um einen Ausbruch von Unruhen zu unterbinden.

Das Ausmaß der Kundgebungen bleibt unklar. Staatliche Medien berichten nicht über die Proteste, die am vergangenen Donnerstag begonnen hatten. Die Führung verlangsamt an den Abenden, wenn die Protestmärsche beginnen, oft das Internet und hat einige von Aktivisten genutzte Plattformen in sozialen Medien ganz blockiert. Zudem spielen die Proteste bisher kaum in großen urbanen Zentren, sondern oft in ländlichen Gegenden.

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2 Kommentare zu "Iran: Proteste treiben Ölpreis – Nobelpreisträgerin ruft zu Bankrun auf"

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  • Herrn K H gebe ich hundertprozentig recht. Und dass Trump versucht den Iran zu
    destabilisieren ist keine Neuheit. Er hat es nicht geschafft den Atomdeal zu kippen,
    jetzt versucht ers von innen. Die CIA hat Erfahung im Iran - siehe Mossadeq.

  • Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi ruft zum Bankrun auf - damit gießt sie ÖL INS FEUER! Wenn Trump oder ein anderer "kreativer" Politiker so etwas von sich gibt, mag das aus Populismus Gründen verstehbar sein - aber eine "Friedensnobelpreisträgerin"?
    ICH WÜRDE DER Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi DEN PRES ABERKENNEN.
    Sie müsste zu FRIEDLICHEN, FREUNDLICHEN DEMONSTRATIONEN IM DEMOKRATISCHEN SINN aufrufen! Schenkt den Soldaten und staatlichen Dienern Blumen und Kuchen und zeigt ihnen freundlich!!! neue Wege auf. Vergleiche Gandhi und friedliche Wiedervereinigung Deutschland.
    Mit Krawall und irgendwelchen Bankruns ist niemanden geholfen - außer den ÖL-Herstellern aus Texas, sie gewinnen mit steigendem ÖL Preis wegen Unruhen und Toden im Iran...
    Also liebe Frau Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi: den Bankrun zurücknehmen - hilft nichts, schadet nur!

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