Iran
Ruhani will Wirtschaft nicht für Atomprogramm opfern

Wirtschaftliche Zusammenarbeit sei in der heutigen Welt unerlässlich, so der iranische Präsident Ruhani: Er verteidigt das provisorische Atomabkommen – und kritisiert die Atompolitik seines Vorgängers scharf.
  • 0

Teheran/ ManamaDie iranische Wirtschaft sollte nach den Worten von Präsident Hassan Ruhani nicht wegen des Atomprogramms geopfert werden. „Unser Grundsatz ist, dass die Zentrifugen zwar laufen, aber gleichzeitig auch die Wirtschaft und das Leben der Menschen laufen“, sagte Ruhani am Samstag in einer Rede in der Beheschti-Universität in Teheran.

Der iranische Präsident kritisierte erneut die Atompolitik der vergangenen acht Jahre unter seinem Vorgänger Mahmud Ahmadinedschad, die das Land international isoliert und wirtschaftlich in eine Krise geführt hat. „In der jetzigen Welt ist es sehr schwer, wenn nicht unmöglich, ohne wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Außenwelt Fortschritte zu erzielen“, sagte der moderate Kleriker.

Ruhani verteidigte das provisorische Atomabkommen mit der internationalen Gemeinschaft als einen ersten Schritt, um sowohl die wirtschaftlichen Probleme als auch das Prestige des Landes zu verbessern. „Wir können nicht die Türen zur Außenwelt schließen“, sagte er.

Seine iranischen Kritiker könnten in der Atompolitik zwar in Einzelheiten anderer Meinung sein, aber das Endziel sei eine nationale Angelegenheit, wo dann alle an einem Strang ziehen sollten. „Wie sollen wir sonst komplizierte außenpolitische Probleme lösen, wenn wir nicht unsere eigenen lösen können?“, so der Präsident.

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel bekräftigte unterdessen in Bahrain, dass im Atomkonflikt mit dem Iran die militärische Option weiterhin infrage komme, falls das Interimsabkommen mit Teheran scheitern sollte. „Wir wissen, dass Diplomatie nicht in einem Vakuum arbeiten kann“, sagte Hagel am Samstag vor einem Sicherheitsforum in Manama. Ein mit Atomwaffen ausgestatteter Iran würde eine unannehmbare Bedrohung der regionalen und internationalen Stabilität darstellen.

Am Samstag traf nach Angaben der Nachrichtenagentur ISNA indes ein Team der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Teheran ein. Die Experten sollen an diesem Sonntag die Schwerwasserfabrik Arak inspizieren. Die Fabrik ist wesentlicher Teil des umstrittenen Forschungsreaktors Arak, dessen Bau bereits seit längerem von der IAEA überwacht wird. Beim Betrieb von Schwerwasserreaktoren fällt Plutonium an, das sich im Prinzip zum Bau von Atombomben verwenden lässt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Iran: Ruhani will Wirtschaft nicht für Atomprogramm opfern"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%