Iran-Sanktionen
Milliarden-Verluste für deutsche Firmen

Aus wirtschaftlicher Sicht kann Deutschland kein Interesse an einer Aufrechterhaltung der Sanktionen gegen den Iran haben: Diese sollen deutsche Firmen zwischen 2010 und 2012 über 70 Milliarden Dollar gekostet haben.
  • 0

Berlin/WienDie Iran-Sanktionen haben Deutschland wirtschaftliche Verluste in Höhe von bis zu 73 Milliarden Dollar zwischen der Verhängung 2010 und 2012 beschert. Nur die USA hätten mit bis zu 175,3 Milliarden Dollar noch höhere Verluste zu verzeichnen, allerdings über einen von 1995 bis 2012 deutlich längeren Zeitraum. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Washingtoner Think Tanks National Iranian American Council, die dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe) vorliegt.

Deutsche und andere westliche Firmen versuchen momentan, in Iran wirtschaftlich wieder Fuß zu fassen, wenn die Sanktionen im Zuge des für den 20. Juli geplanten Atom-Kompromisses fallen sollten. Der Iran und seine sechs internationalen Verhandlungspartner wollen aber ihre Gespräche über das Atomprogramm Teherans über das Zieldatum, den 20. Juli, hinaus verlängern. Beide Seiten hätten sich grundsätzlich darauf geeinigt, die derzeitigen Verhandlungen in Wien aufgrund der großen Differenzen bereits am Freitag vorzeitig zu beenden, aber planten, zu einem späteren Zeitpunkt weiterzusprechen, sagten zwei mit den Verhandlungen vertraute Diplomaten der Nachrichtenagentur AP.

Bis zum 20. Juli hätte eigentlich ein dauerhaftes Abkommen über eine Beschränkung der iranischen Atomaktivitäten stehen sollen. Im Gegenzug sollten die internationalen Sanktionen gegen Teheran aufgehoben werden. Ein vorübergehendes Abkommen war im vergangenen November geschlossen worden und sollte von der neuen Vereinbarung ersetzt werden.

Hauptstreitpunkt ist, wieviel Uran Teheran weiterhin anreichern darf. Die Regierung hatte noch vergangene Woche darauf beharrt, dass sie die Urananreicherung in den kommenden acht Jahren auf ein Niveau ausbauen wolle, für das sie rund 190.000 Zentrifugen benötigen würde. Derzeit hat der Iran 20.000 Zentrifugen, davon ist rund die Hälfte in Betrieb. Teheran signalisierte, dass es bereit sei, vorerst keine mehr zu bauen. US-Außenminister John Kerry sagte am Dienstag aber, dass auch 10.000 Zentrifugen noch zu viele seien.

Das Interesse der deutschen Wirtschaft an einem Wiederbeleben ihres Engagements in Iran scheint groß zu sein. „Ich habe sehr vielversprechende Signale bekommen“, sagte der iranische Industrieminister Mohammad Reza Nematzadeh dem Handelsblatt.

Das belegt das deutliche Wachstum der deutschen Exporte in das Land: Sie lagen bei gut einer Milliarde Euro von Januar bis Mai, was einem Anstieg um 28 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres entsprach. Die EU-Ausfuhren insgesamt nach Iran legten um vier Prozent auf 2,4 Milliarden Euro zu. Deutsche Importe aus Iran stiegen laut Eurostat-Zahlen um zehn Prozent auf 129 Millionen Euro.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Iran-Sanktionen: Milliarden-Verluste für deutsche Firmen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%