Iran
Schurkenstaat gewinnt Freunde

Iran hat seit dem Irak-Krieg seinen Einfluss in der Region kontinuierlich ausgebaut. Sogar zu früher verfeindeten arabischen Staaten gibt es nun gute Kontakte. Für den Westen ist das Land schon längst der wichtigste Gegenspieler im Nahen Osten. Ein Essay.

Seit 2003 dominiert der Konflikt um das iranische Atomprogramm die Beziehungen Irans zur internationalen Gemeinschaft. Darüber werden andere Themen leicht vergessen, vor allem die Politik Irans im Nahen und Mittleren Osten. Zu den Voraussetzungen einer erfolgreichen europäischen und amerikanischen Politik Iran gegenüber gehört aber auch, dessen komplexe Interessenlage zu begreifen. Die Konzentration allein auf die Nuklearfrage wird der politischen Herausforderung Iran nicht gerecht.

Der Irak-Krieg von 2003 stellt in mehr als einer Hinsicht eine geopolitische Revolution im Nahen und Mittleren Osten dar. Besonders arabische Beobachter sehen Iran als den Gewinner der politischen Umwälzungen. Iran konnte seine regionale Machtstellung ausbauen. Dazu trugen der Sturz Saddam Husseins und die Entmachtung der Taliban in Afghanistan bei. Seitdem spielen schiitische Parteien und Personen, die enge Beziehungen zu Iran haben, eine wichtige Rolle im Irak. Mit den USA ist Iran der wichtigste externe Akteur auf der irakischen Bühne.

Dass der iranische Einfluss bis in die Levante reicht, wurde nicht zum ersten Mal im Sommer 2006 während des Krieges zwischen Israel und der von Teheran unterstützten libanesischen Hisbollah demonstriert. Ahmadinedschad und die Hisbollah gewannen in Ländern wie Ägypten während und nach dem Krieg an Popularität. Die arabischen Staaten schätzen den Einflussgewinn Irans zwar nicht, stellen ihn aber in Rechnung. So hat Saudi-Arabien, das als Schutzmacht der libanesischen Sunniten gesehen wird, Iran als Gesprächspartner bei seinen Bemühungen um eine Entspannung der innenpolitischen Krise im Libanon akzeptiert.

Iranischer Einfluss in den palästinensischen Gebieten ist dagegen trotz der Unterstützung Teherans für den palästinensischen „Widerstand“ begrenzt geblieben. Aus iranischer Sicht war der Sieg der Hamas bei den palästinensischen Legislativwahlen 2006 eine positive Entwicklung. Der internationale Boykott der von der Hamas geführten palästinensischen Regierung bescherte Iran zudem eine quasi offizielle Eintrittskarte nach Palästina.

Es gibt auch andere Indikatoren für die neue Position Irans in der Region. So wurde Ahmadinedschad 2007 zum Gipfeltreffen des Golfkooperationsrates (GCC) in Katar eingeladen. Teheran und Kairo bemühen sich um eine Verbesserung der Beziehungen. Die USA selbst haben die neue Bedeutung Irans für die Entwicklungen im Irak anerkennen müssen. Trotz der Anschuldigungen Washingtons, Iran unterstütze militante, regierungsfeindliche Kräfte im Irak haben Vertreter der beiden Staaten sich im multilateralen Rahmen der Irak-Nachbarschaftskonferenzen getroffen. Zudem haben sie im Mai 2007 in Bagdad direkte Gespräche auf Botschafterebene begonnen.

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