Iran
Streit über angebliche Foto-Verbrennungen

Im Iran spitzt sich die Konfrontation zwischen Staatsführung und Opposition weiter zu: Nach staatlichen Medienberichten wurden in der vergangenen Woche mehrere protestierende Studenten festgenommen. Ihnen wird die Zerstörung von Bildern des obersten geistlichen Führers Ayatollah Ali Chamenei sowie des Staatsgründers Ayatollah Ruhollah Chomeini vorgeworfen. Die Opposition spricht von Fälschungen.
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HB TEHERAN. Während der Proteste sollen Anhänger der Reformbewegung Bilder Chameneis und Chomeinis verbrannt und zerrissen haben. Die Opposition bestreitet dies. Sie wirft der Regierung vor, die im Fernsehen ausgestrahlten Aufnahmen gefälscht zu haben, um die Reformbewegung zu diskreditieren und ihr Vorgehen gegen die Demonstranten zu rechtfertigen.

Staatsanwalt Abbas Dschafari Dolatabadi sagte, die Justiz bereite Anklagen gegen die Festgenommenen vor. Es werde "keine Gnade" geben, zitierte ihn die amtliche Nachrichtenagentur IRNA.

Mehrere hundert Studenten hatten am Sonntag auf dem Campus der Teheraner Universität gegen die Regierung protestiert und warfen ihr vor, die Bilder von der Verbrennung eines Fotos des Staatsgründers Ayatollah Ruhollah Chomeini gefälscht zu haben. Die Bilder dienten als Vorwand zur Niederschlagung der Reformbewegung, erklärten die Demonstranten. Dutzende Polizisten umstellten das Gelände.

Die Schändung des Abbilds von Chomeini oder von dessen Nachfolger als geistliches Staatsoberhaupt, Ayatollah Ali Chamenei, gilt im Iran als absolutes Tabu. Die Revolutionsgarden haben bereits eine harte Bestrafung der Verantwortlichen gefordert. Ayatollah Chamenei warnte am Sonntag die Opposition und warf ihr vor, das islamische System im Iran stürzen zu wollen.

Das staatliche Fernsehen hat die Bilder von der Verbrennung des Abbilds Chomeinis seit der Studentendemonstration am Montag vergangener Woche mehrfach wiederholt. Auf den Bildern sind nur die Hände derer zu sehen, die das Poster verbrennen, nicht aber deren Gesichter. Auf Videoaufnahmen im Internet sind auch brennende Poster mit dem Abbild von Chamenei und Präsident Mahmud Ahmadinedschad zu sehen.

Am Freitag und Samstag hatten Tausende Regierungsanhänger in mehreren Städten des Landes gegen die angebliche Schändung der Abbilder Chomeinis und Chameneis durch die reformorientierten Studenten protestiert.

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