Iran und Lateinamerika
Verbündete Außenseiter

Ahmadinedschad sucht in Lateinamerika Verbündete gegen Irans zunehmende Isolierung. Wegen des offen antiamerikanischen Kurses der befreundeten Präsidenten fällt ihm das nicht schwer.
  • 2

São Paulo / BerlinMit markigen Worten haben die erklärten Gegner der USA, Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad und sein venezolanischer Amtskollege Hugo Chávez, ihr Bündnis besiegelt: "Wir knien nicht nieder vor den Yankees", sagte Chávez gestern zum Auftakt von Ahmadinedschads Visite in Caracas. Zuvor hatte das US State Department Staaten vor engen Bündnissen mit Iran gewarnt. Doch Chávez ließ das kalt: "Obama, kümmere dich um dein eigenes Land, du hast genug Sorgen."

Irans Präsident will in Lateinamerika angesichts der zunehmenden außenpolitischen Isolierung seines Landes für Unterstützung werben. Das fällt ihm wegen des offen anti-amerikanischen Kurses der befreundeten Präsidenten leicht.

Todesurteil gegen US-Bürger

Doch Ahmadinedschad sucht nicht nur in Venezuela dringend nötige Verbündete: "Die Lateinamerikaner sind Pioniere im Kampf gegen den Kolonialismus und die Expansion des Imperialismus", lobte er seine Gastgeber. Auf seiner einwöchigen Lateinamerika-Reise besucht er auch Nicaragua, Kuba und Ecuador, die alle von linken Staatschefs regiert werden.

Irans Verhältnis zum Erzfeind USA wurde gestern durch zwei Nachrichten zusätzlich belastet: So verurteilte ein iranisches Gericht den angeblichen US-Spion Amir Mirsa Hekmati, der neben der iranischen auch die amerikanische Staatsbürgerschaft hat, zum Tode, was von Washington scharf verurteilt wurde. Außerdem bestätigte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA), dass Iran begonnen hat, in der Nuklearanlage Fordo auf 20 Prozent angereichertes Uran herzustellen. Hochangereichertes Uran ist Voraussetzung für den Bau einer Atombombe.

Ob der seit 2005 amtierende Ahmadinedschad auf seiner sechsten Lateinamerika-Reise aber die erhoffte Unterstützung für seine antiamerikanische Politik finden wird, ist fraglich. Er trifft außer Chávez auf weitgehend unwichtige Präsidenten. Die wirtschaftlichen und politischen Schwergewichte wie Brasilien und Mexiko, aber auch mittlere Regionalstaaten wie Argentinien, Kolumbien oder Chile besucht er nicht.

Seite 1:

Verbündete Außenseiter

Seite 2:

Landeswährung Rial bricht ein

Kommentare zu " Iran und Lateinamerika: Verbündete Außenseiter"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Psst!!! Bitte die Geschichtsklitterung und Michels schlaf nicht stören!

  • Soso der Iran greift 1980 den Irak an. Das widerspricht meinen bisherigen Kenntnissen aber grundlegend.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%