Iran
Wer wählte Ahmadinedschad?

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad ist mit großer Mehrheit wiedergewählt worden. Der 52-jährige Fundamentalist erhielt nach Angaben des Innenministerium vom Samstag bereits im ersten Wahlgang 62,6 Prozent der Stimmen. Auch wenn sein reformorientierter Gegenkandidat Mir Hussein Mussawi schwere Unregelmäßigkeiten bemängelt: Viele Iraner gaben Ahmadinedschad offenbar die Stimme.

HB TEHERAN. Vor der Wahl war ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Ahmadinedschad und Mussawi erwartet worden, zumal es dem 67-Jährigen zusammen mit seiner populären Ehefrau Sahra Rahnaward gelungen war, viele Frauen anzusprechen. Mussawi stand im Wahlkampf für einen Neuanfang nicht zuletzt im schlechten Verhältnis zu den USA.

Doch Ahmadinedschad hat es nach Ansicht von Beobachtern verstanden, die von der Wirtschaftskrise geplagten Iraner auf seine Seite ziehen. „Den Leuten auf dem Land ist es herzlich egal, ob ihr Präsident in Europa oder den USA salonfähig ist“, sagte der Wiener Iran-Experte Walter Posch in einem dpa- Gespräch.

Nach Ansicht des Iran-Experten verdankt Ahmadinedschad die Wiederwahl seiner sozialpopulistischen Kampagne. So habe er kostenlos Kartoffeln an die Landbevölkerung verteilt und Pensionen erhöht. „Das hat bei den Eliten in Teheran für Kopfschütteln und Naserümpfen gesorgt“ so der Wissenschaftler. Bei den Armen aber kam es offensichtlich an.

Allerdings gibt es auch Stimmen, die den Zweiflern aus dem Mussawi-Lager recht geben. „Man kann ja ideologisch mit ihm auf der gleichen Wellenlänge sein, aber es kann doch nicht angehen, dass die Leute froh darüber sind, dass es im Land Rezession und hohe Inflation gibt, und der Regierung dafür mit ihren Stimmen noch danken“, sagte ein Professor einer Teheraner Universität.

Die US-Regierung verfolgt den Ausgang der Präsidentenwahl im Iran nach den Worten von US-Außenministerin Hillary Clinton aufmerksam. Sie hoffe, dass das Ergebnis den Willen des Volkes wiedergebe, erklärte Clinton am Samstag am Rande eines Besuchs der Niagarafälle in Kanada.

Israel betonte nach Verkündung von Ahmadinedschads Sieg die Gefahr einer nuklearen Bedrohung durch den Erzfeind. Das Resultat sei ein klares Signal dafür, dass es für die gegenwärtige Politik im Iran eine breite Unterstützung gibt, „und es wird so weitergehen“, sagte Vize-Ministerpräsident Silvan Schalom in Jerusalem. „Die Vereinigten Staaten und die freie Welt müssen die Politik in Bezug auf die nuklearen Ambitionen Teherans überdenken“, sagte er. Der Grünen-Fraktionsvize Jürgen Trittin erklärte am Samstag, „es muss so schnell wie möglich eine glaubhafte Untersuchung über das Ausmaß von Wahlfälschungen durchgeführt werden. Bundesregierung, EU und die internationale Gemeinschaft müssen dies mit Nachdruck einfordern.“

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