Iran
„Wir beten, dass Gott uns hilft“

Montag in Teheran. Es ist der Tag nach den Schlagstock-Einsätzen der Polizei, der Tag nach der großen Ahmadinedschad-Kundgebung. An den Hauptstraßen stehen Sicherheitskräfte. Die Regierung hat in der ganzen Stadt Ordnungshüter postiert, um mögliche Demonstrationen bereits frühzeitig zu unterbinden. Die Stimmung ist angespannt.

TEHERAN. Mittlerweile läuft der chaotische Verkehr der 13-Millionen-Metropole wieder an: Ewig lange Staus, Motorradfahrer, die die Autos gegen die Fahrtrichtung im Zickzack-Kurs umkurven, Fußgänger, die wie Ballett-Tänzer die stark befahrenen Boulevards überqueren.

Doch trotz der Routine des Berufsverkehrs ist der Unmut der Menschen spürbar. „Jeder weiß, dass die Wahlen getürkt sind“, sagt der 45-jährige Taxifahrer Farhad, ein grauhaariger Mann mit Blue-Jeans und gelbem Hemd. „Ahmadinedschad schustert der Hisbollah im Libanon und der Hamas im Gazastreifen Milliarden zu, anstatt das Geld für das iranische Volk zu verwenden. Er braucht den Krieg gegen Israel und Amerika.“ Amir, ein Student der Energie-Wirtschaft, zeigt seine rechte Hand mit einer Risswunde. Obwohl er am Sonntag von der Polizei verprügelt wurde, will er mit seinen Kollegen in den nächsten Tagen weiter demonstrieren. „Wir beten, dass Gott uns hilft“, meint er.

In den von der Regierung kontrollierten iranischen Medien kommen die Stimmen der Opposition nicht vor. Am Sonntagabend zeigte das Staatsfernsehen stundenlang Bilder von der Ahmadinedschad-Kundgebung am Vali-Asr-Platz im Zentrum Teherans. Mehr als 10 000 Menschen schwenkten grün-weiß-rote Fahnen, die Farben der National-Flagge und der Wahl-Kampagne des Präsidenten. Viele Frauen trugen gemäß der islamischen Kleiderordnung den Tschador, den traditionellen schwarzen Umhang mit Kopftuch. Der Film ist mit patriotischer Musik untermalt, zwischendurch werden nationale Denkmäler eingeblendet.

Hier hat niemand Verständnis für die Protestler. „Die Polizei muss hart durchgreifen, die Demonstranten plündern und zerstören doch nur“, betont Reza, ein 28-jähriger Kinder-Psychologe. Auch die 19-jährige Informatik-Studentin Shima kennt kein Pardon. „Diejenigen, die auf die Straße gehen, sind von den internationalen Medien gesteuert“, meint sie. Neben ihr steht ein Mann und verteilt Pamphlete, die ihm aus der Hand gerissen werden. Titel: „Wie das Ausland versucht, die Islamische Republik schleichend auszuhebeln.“

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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