Iran
Wirtschaft warnt vor übereilten Iran-Sanktionen

Deutsche und iranische Unternehmen in Teheran verfolgen die aktuelle Auseinandersetzung mit großer Sorge, doch hoffen viele auf einen Sieg der Opposition. Zunächst lähmt der Aufstand der Opposition aber die Wirtschaft. Deutsche Firmen warten ab und hoffen auf eine politische Öffnung. Deutsche Wirtschaftsvertreter warnen vor übereilten Sanktionen gegen das Land.

TEHERAN/BERLIN. „Viele iranische Unternehmen setzen auf eine Öffnung nach Europa sowie auf einen Dialog mit den USA“, sagte Ali Ghazanfari, Chef der Teheraner Filiale des Siegener Rohre-Herstellers Bergrohr. Die Manager sympathisierten mit dem führenden Oppositionskandidaten Mir-Hossein Mussawi, obwohl sie sich keine Illusionen über dessen Wirtschaftsprogramm machten, heißt es in Teheraner Unternehmenskreisen.

Auch die deutsche Wirtschaft setzt auf Wandel: „Die junge und gut ausgebildete Bevölkerung möchte an der Globalisierung teilhaben und frei und ohne Zensur leben. Dieser Trend ist langfristig unumkehrbar“, sagte Anton Börner, Präsident des Bundesverbandes Groß- und Außenhandel.

Dabei ist Mussawi kein Liberaler. Seine Berater hatten vor der Wahl erklärt, dass der Reformer einzelne Bereiche der Wirtschaft gegen Billigimporte – zum Beispiel aus China – mit Zöllen schützen wolle. Darüber hinaus seien Zölle auf Luxusgüter vorgesehen. Andererseits würde eine Fortsetzung der Regierung von Mahmud Ahmadinedschad die wirtschaftliche Entwicklung des Landes noch stärker beschädigen: „Wenn sich der Wirtschaftskurs mit den hohen staatlichen Subventionen nicht ändert, wird sich der ökonomische Niedergang fortsetzen, und mehr ausländisches Engagement kann nicht erwartet werden“, sagte BP-Chefökonom Christof Rühl.

Aktuell tut sich im deutschen Geschäft mit Iran nicht viel. „Viele Geschäftsentscheidungen werden zurückgehalten“, sagte Daniel Bernbeck, Geschäftsführer der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer. „Die Partner in Deutschland warten ab, wie sich die Situation entwickelt.“ Der Teheraner Niederlassungsleiter einer großen deutschen Firma bestätigt: „Alle sind im Moment vorsichtig.“

Bereits im ersten Quartal des laufenden Jahres sank der bilaterale Handel erheblich. Nach neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes brachen die deutschen Exporte nach Iran um 22 Prozent ein. Auch die sehr viel niedrigeren Einfuhren gingen um 22 Prozent zurück. Die Wirtschaft macht dafür vor allem die „Entmutigungspolitik“ der Bundesregierung verantwortlich, die deutschen Firmen wegen des Atomprogramms dazu rät, auch legale Geschäfte mit Iran einzuschränken, und nur in sehr geringem Maße staatliche Exportbürgschaften vergibt. 2008 waren die deutsche Ausfuhren nach Iran noch auf rund 3,9 Mrd. Euro gestiegen. Deutschland ist nach China der zweitgrößte Lieferant Irans, auch wenn andere EU-Staaten wie Italien, aber auch Russland, Indien oder Japan stark aufholen.

Seite 1:

Wirtschaft warnt vor übereilten Iran-Sanktionen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%