Iran
Zu allem entschlossen

Schleichend verordnet der neue Präsident Mahmud Ahmadinedschad dem Iran eine Rückkehr ins revolutionäre Gestern. Daheim geriert er sich als Hoffnungsträger. Das westliche Ausland jedoch hat er in nur wenigen Monaten so sehr gegen sich aufgebracht wie wenige andere Staatsmänner zuvor.

TEHERAN. Als Mahmud Ahmadinedschad Bürgermeister von Teheran war, rumpelte er mit einem alten Peugeot durch seine Stadt. Ohne Chauffeur, ohne Begleitung, Ahmadinedschad saß zumeist selbst am Steuer. Im Verkehrschaos der iranischen Hauptstadt kroch er jedoch nicht die Pasdaran-Straße hoch in den reichen Norden mit seinen Restaurants, Juwelierläden und stilvollen Villen.

Ahmadinedschad fuhr gen Süden, zur Straße des 17. Sharivar, wo vor bald 30 Jahren die Märtyrer der Iranischen Revolution starben und wo heute die Armen morgens nicht wissen, wie sie den Tag überleben sollen. Er kam hierher, wo die Revolution noch lebt, wo die Moscheen freitags noch voll sind und sich die Menschen am Todestag von Revolutionsführer Chomeini noch freiwillig zu Fuß zum Mausoleum des Ajatollahs aufmachen. Im Süden Teherans fand der Bürgermeister sein Iran.

„Ölgeld für Sofreh“ lautete im Juni 2005 die Parole seiner Kampagne im Präsidentschaftswahlkampf. Sofreh, das ist die Matte, auf der man in Persien beim Essen sitzt – entweder aus Tradition oder weil man sich Tisch und Stuhl nicht leisten kann. „Ölgeld für die Armen“. Nur wenige Experten nahmen den Slogan ernst.

Millionen Iranern aber gefiel er. Und sie wählten Ahmadinedschad zum Präsidenten. Weil er, der einst als Freiwilliger in den Krieg gegen den Irak zog und Mitglied der Pasdaran war, der loyalen Kampftruppe von Ajatollah Chomeini, auf dem Boden geblieben zu sein schien.

Daheim geriert sich Ahmadinedschad als Hoffnungsträger. Das westliche Ausland jedoch hat er in nur wenigen Monaten so sehr gegen sich aufgebracht wie wenige andere Staatsmänner zuvor. Israel, Atomstreit, Karikaturen: Irans Präsident polarisiert – weil er dem Revolutionsgeist daheim neues Leben einhauchen will. Seine Härte erschreckt auch manche Iraner, denn schleichend bedroht Ahmadinedschad die liberalen Tendenzen in ihrer Gesellschaft, die unter den reformorientierten Vorgängern des neuen Präsidenten sprossen.

„Er ist in seinen eigenen Gedanken ehrlich, und er ist kein Schauspieler“, sagt Ehsan Naraghi über seinen Präsidenten. Und: „Aber Ahmadinedschad führt uns in die Sackgasse.“

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