Irans Außenminister Zarif
„Die USA lernen nichts dazu“

  • 0

Irans Verwicklung in militärische Konflikte

Mit Blick auf Länder wie Irak und Afghanistan und den Einsatz amerikanischer Soldaten sagte Zariuf: „Wir halten ausländische Truppen in jedem Fall für destabilisierend, aber wir respektieren die Entscheidungen unserer Nachbarn“. Er betonte, Iran habe sein Militär nie offensiv eingesetzt und ausländische Verbündete mit Waffen und Militärberatern, aber nicht mit Soldaten unterstützt. Das widerspricht Berichten über den Einsatz von der militärischen „Revolutionsgarden“ des Iran – sie sollen im Libanon, Irak, Syrien und Jemen im Einsatz gewesen sein.

Ein Thema fand bei der ganzen Veranstaltung auffallend wenig Interesse: die Beziehungen zu Israel. Nur ein Besucher der Veranstaltung stellte die kurze Frage, ob Iran die territoriale Integrität Israels respektiere. Zarif wich der Frage aus und sagte: „Die Probleme dort resultieren daraus, dass den Palästinensern in der dritten Generation grundlegende Rechte verweigert werden. Wenn das gelöst ist, gibt es keinen Grund mehr, andere Länder zum Sündenbock zu machen.“

Israel hatte in den letzten Jahren besonders stark auf Sanktionen gegen den Iran gedrängt und fühlt sich von einem möglichen künftigen Atomwaffen-Arsenal bedroht. Israel verfügt selbst über Atomwaffen, bekennt sich aber offiziell nicht dazu. Zeitweise hatten iranische Politiker die Existenzberechtigung von Israel infrage gestellt – zumindest rhetorisch.

Der Iran unterstützt zudem antiisraelische Kräfte, etwa Hamas im Gaza-Streifen und die Hisbollah im Libanon. Beide Organisationen werden von den USA und zum Teil auch von anderen Staaten als terroristisch eingeschätzt. Zarif sagte dagegen: „Wir unterstützen keine Terroristen, anders als einige Verbündete der USA“, womit er wiederum in erster Linie Saudi-Arabien meinte.

Iran und Saudi-Arabien liefern sich zurzeit einen Stellvertreterkrieg durch die Unterstützung verfeindeter Parteien im Bürgerkrieg von Jemen. Der Außenminister deutete er an, er sehe die Möglichkeit zur Einigung, wenn Saudi-Arabien akzeptiere, dass es den iranischen Einfluss dort nicht verhindern könne.

Auf die Inhaftierung von iranisch-amerikanischen Bürgern unter zweifelhaften Anklagepunkten angesprochen, beteuerte er, er wolle sich um humanitäre Lösungen bemühen. Er versicherte aber auch, die Justiz sei unabhängig. Außerdem verwies er auf einen Fall aus dem Jahr 2016: Ein Richter in New York habe Familien von Opfern des Terror-Angriffs am 11. September 2001 insgesamt fast elf Milliarden Dollar Schadensersatzansprüche gegen den Iran zugesprochen, weil dieser Staat den Angriff angeblich unterstützt hatte. „Das ist absurd, jeder weiß, dass die Attentäter aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten kamen“, sagte er. Laut Medienberichten hatte der Iran damals gar keinen Vertreter zu dem betreffenden Prozess geschickt.

Seite 1:

„Die USA lernen nichts dazu“

Seite 2:

Irans Verwicklung in militärische Konflikte

Kommentare zu " Irans Außenminister Zarif: „Die USA lernen nichts dazu“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%