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Irans Ölminister: Nozari: „Wer unser Gas will, muss in Iran investieren“

Trotz internationaler Sanktionen wirbt Irans Ölminister Gholam-Hossein Nozari um Geschäftspartner aus Deutschland. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht der ehemalige Chef des staatlichen Ölkonzerns NIOK über die Pläne zum Bau der „persischen Pipeline“, die Gas von Iran auch nach Deutschland transportieren soll und über die "riesigen Chancen", die sein Land europäischen Vertragspartnern bietet.

Irans Ölminister Gholam-Hossein Nozari: "Es geht im deutsch-iranischen Geschäft immer um Win-win-Situationen." Quelle: Bloomberg
Irans Ölminister Gholam-Hossein Nozari: "Es geht im deutsch-iranischen Geschäft immer um Win-win-Situationen." Quelle: Bloomberg

Iran wird wegen seines umstrittenen Atomprogramms mit Sanktionen belegt. Warum sollten deutsche Unternehmen sich dennoch in Ihrem Land engagieren?

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Es geht im deutsch-iranischen Geschäft immer um Win-win-Situationen. Die deutsche Wirtschaft setzt auf den Export, und Iran bietet einen großen Markt. Auf der anderen Seite hat Iran riesige Energieressourcen, und Deutschland und Europa werden in Kürze viel mehr Erdgas brauchen, als wir uns heute vorstellen. Wegen dieser beiderseitigen Bedürfnisse sollten wir unsere Beziehungen vertiefen. Iran kann ein sicherer und zuverlässiger Energielieferant für Deutschland werden.

Aber wie sollte denn iranisches Gas nach Deutschland kommen?

Wir intensivieren derzeit unsere Pläne zum Bau der sogenannten „persischen Pipeline“, die Gas von Iran nach Europa transportieren soll. Sie wäre eine Alternative zur Abhängigkeit von russischem Gas in Europa. Und verschiedene europäische Unternehmen haben Interesse an einer Kooperation mit uns bekundet.

Sind auch deutsche Firmen dabei?

Ja, aber Namen will ich nicht nennen. Die beteiligten Unternehmen werden bald etwas von sich aus bekanntgeben. Wegen des bald um 200 Mrd. Kubikmeter wachsenden Gasbedarfs in Europa wird ein beträchtlicher Teil davon aus Iran kommen müssen. Mein Eindruck aus den Gesprächen mit Vertretern der deutschen Wirtschaft ist, dass deutsche Unternehmen interessiert sind am Ausbau ihrer Beziehungen zu Iran.

Kann denn Iran nicht aus eigener Kraft seine Gasförderung massiv ausweiten?

Wir haben ein entsprechendes Programm zum Ausbau unserer Erdgasproduktion. Aber wir haben uns einem Prinzip verschrieben: Wer unser Gas haben will, muss sich an seiner Förderung in Iran beteiligen. Das ist eine akzeptierte Logik auf dem Energiemarkt. Es kann nicht sein, dass wir Gelder, die wir etwa für Gesundheitsprogramme und Soziales eingeplant haben, umleiten und für andere Länder Erdgas produzieren. Aber wenn wir neue Lieferverpflichtungen übernehmen, dann halten wir diese auch ein. Iran ist ein absolut zuverlässiger Partner. Doch dazu brauchen wir Verträge.

Auch mit deutschen Firmen, die inzwischen darüber klagen, dass die Bundesregierung ihr Iran-Engagement behindert?

Wir bieten riesige Chancen, und wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Unsere Nachbarländer sowie andere Staaten sind daran interessiert, von uns Gas geliefert zu bekommen. Auch mit Shell verhandeln wir über ein Förderprojekt. Aber wir haben nicht unendlich Zeit. Chinesische Firmen haben bereits mit der Arbeit in Iran begonnen. Und andere Unternehmen haben sich angeboten, für Shell einzuspringen.

Immer wieder wird berichtet, die iranischen Ölanlagen seien vollkommen veraltet. Stimmt das?

US-Institutionen behaupten einerseits, unsere Förderung ginge zurück wegen veralteter Anlagen. Andererseits sagen sie, wir würden mehr Öl fördern, als unsere Quote bei der Opec zulässt. Was stimmt denn nun? Beides ist Quatsch! Wir haben unsere Förderkapazität auf 4,3 Millionen Barrel pro Tag erhöht, aber produzieren nur so viel, wie wir gegenüber der Opec zugesagt haben.

Die EU-Kommission fördert das Projekt der Nabucco-Gaspipeline vom Kaspischen Meer nach Europa. Hat Teheran Interesse an einer Beteiligung daran?

Es gibt kein anderes Land, das langfristig und sicher Erdgas für diese Pipeline liefern kann. Andere Länder haben vielleicht ein bisschen, das sie dort einspeisen können, aber doch nicht langfristig und genug. Man braucht riesige Reserven dafür, und die hat nur Iran. Wir haben überhaupt erst 20 Prozent unseres Landes auf Gasreserven untersucht und verfügen schon jetzt über die zweitgrößten Vorkommen der Welt. Nabucco ist eine Chance für Europa, und wir sind bereit zur Kooperation. Aber es gibt auch Alternativen, wie die von uns geplante Pipeline nach Europa.

Im Zuge der Weltwirtschaftskrise werden Öl- und Gas-Projekte gestoppt. Was bedeutet das für die Zukunft der Energieversorgung?

Wenn der Energieverbrauch nach der Krise wieder anspringen wird, werden wegen der jetzt ausfallenden Investitionen in die Förderung vier Millionen Fass Öl täglich fehlen, bei einer jetzigen Tagesförderung von 79 Millionen Barrel täglich. Dann wird es einen Preissprung beim Öl geben.

Das Gespräch führte Mathias Brüggmann.

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