Irans Vize-Parlamentschef im Interview
„Erst denken, dann handeln“

Die Kritik an Irans Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad wächst auch in den eigenen Reihen, sagt Vize-Parlamentschef Hamid-Reza Hajibabai. Der 47-Jährige gehört der Ahmadinedschad stützenden konservativen Mehrheitsfraktion an. Im Interview mit Handelsblatt.com kritisiert Hajibabai nicht nur die verfehlte Wirtschaftspolitik seines Präsidenten, sondern schlägt auch deutlich moderatere Töne in Sachen Verhandlungen mit den USA über eine Stabilisierung im benachbarten Irak an.

HB IRAN. Im Interview mit Handelsblatt.com macht Vize-Parlamentschef Hamid-Reza Hajibabai klar, dass sich inzwischen auch Gefolgsleute des mit aggressiven Toenen gegen den Westen auftretenden Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad von ihm abwenden. Der 47-Jährige gehört der Ahmadinedschad stützenden konservativen Mehrheitsfraktion an. Dabei kritisiert Hajibabai nicht nur die verfehlte Wirtschaftspolitik seines Präsidenten, sondern schlägt auch deutlich moderatere Töne in Sachen Verhandlungen mit den USA über eine Stabilisierung im benachbarten Irak an.


Handelsblatt: Gibt es einen Bruch zwischen Regierung und Parlament über die weitere Politik des Iran?

Hajibabai: Es gibt keine strategischen Differenzen zwischen Parlament und Präsident. Aber mit einigen Punkten seines Regierungshandelns, vor allem in der Wirtschaft, sind wir nicht einverstanden. Präsident Ahmadinedschad hat wie alle Regierungschefs gute und schlechte Seiten.

Was sind denn Ahmadinedschads schlechte Seiten?

Er könnte effektiver sein, wenn er seine Sätze besser auswählen würde. Er bräuchte mehr eine Sprache der Diplomatie. Aber die Amerikaner reizen uns. Allerdings hat sein Vorgänger Chatami acht Jahre lang versucht, Brücken zum Westen zu bauen. Und was hat sich für uns geändert?

Was muss Ahmadinedschad vor allem ändern?

Er müsste eine sensiblere Wirtschaftspolitik machen, schrittweise vorgehen und nichts so überstürzen. Das schadet. Wir brauchen mehr Privatisierungen. Damit würden wir unsere wirtschaftliche Basis stärken und dem Volk mehr Möglichkeiten geben. Aber die Ausgabe der so genannten Gerechtigkeitsaktien (Anteilsscheine an Unternehmen an arme Bevölkerungsschichten, die faktisch verschenkt werden, d. Red.) ist falsch. Man muss dem Volk Angeln geben und nicht Fisch.

Sie sind seit 15 Jahren mit Ahmadinedschad verbunden. Welchen Rat geben Sie ihm als Freund?

Dass er erst viel überlegt und erst dann handelt. Und dass er so bleibt, wie er ist: Ein Mann des Volkes. Aber statt diese Gerechtigkeitsaktien auszugeben, sollte er die Privatisierung forcieren.

In den USA wird eine neue Irak-Strategie diskutiert, die eventuell auch die Einbeziehung des Iran vorsieht. Ist Teheran zu Verhandlungen mit den USA bereit?

Wenn sie Verbindung zu uns aufnehmen, haben wir keine Probleme damit. Sie haben Probleme mit uns und müssen Voraussetzungen für Verhandlungen schaffen, die Mauer des Misstrauens einreißen.

Wie soll das gehen?

Sie müssen uns beweisen, dass sie uns nicht mehr als Feind ansehen und unsere Regierung stürzen wollen. Sie müssten das am Ende der Schah-Zeit in den USA eingefrorene iranische Vermögen freigeben. Wer verloren hat, so wie Bush die Wahlen, muss sein Verhalten ändern. Die Amerikaner müssen endlich akzeptieren, dass es auch noch andere, unabhängige Länder gibt.

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