Irische Banken : EZB bereitet ein neues Hilfsprogramm vor

Irische Banken
EZB bereitet ein neues Hilfsprogramm vor

Beim EU-Gipfel in Brüssel bat Irlands Regierung die Europäische Zentralbank um Hilfe. Nun ist ist die EZB offenbar nun dabei, ein neues Programm zu erarbeiten, das speziell auf irische Banken zugeschnitten sein soll.
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FrankfurtAls Reaktion auf die anhaltenden Probleme der irischen Banken arbeitet die EZB offenbar an einem neuen Hilfsprogramm für die Finanzbranche. Das Programm zur Liquiditätsunterstützung soll zunächst speziell auf die Bedürfnisse der irischen Geldhäuser zugeschnitten sein und in der kommenden Woche vorgestellt werden, wenn auch die Ergebnisse der neuen Banken-Stresstests in Irland vorliegen, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Samstag aus Kreisen der Europäischen Zentralbank erfuhr. Später solle es schrittweise auch für andere Banken in der Eurozone verfügbar sein. Kontrolliert werde es vom EZB-Rat, der auch die Bedingungen im jeweils konkreten Fall bestimme. 

Die EZB will den Kreisen zufolge damit das Programm für Kapitalhilfen (Emergency Liquidity Assistance - ELA) ablösen, das derzeit von der irischen Zentralbank zur Verfügung gestellt wird. „Es wird wahrscheinlich dem Programm der EZB zum Aufkauf von Staatsanleihen (SMP) in dem Sinne ähneln, dass es keinen festen Zeitrahmen gibt“, sagte der Eingeweihte, der namentlich nicht genannt werden wollte. Denn bei einem vorgegebenen Zeitraum über fünf oder zehn Jahres, bestehe die Gefahr, dass das Problem bis kurz vor Schluss ignoriert werde.

Irlands neuer Ministerpräsident Enda Kenny hatte die EZB am  Freitag beim EU-Gipfel in Brüssel um eine Verlängerung ihrer Geldspritzen für die angeschlagenen Banken des Landes ersucht. In den neuen EZB-Hilfen sehen Experten einen Erfolg für Kenny. Im Gegenzug dürfte seine Drohung einer Umschuldung wohl vom Tisch sein, sagte Analyst Oliver Gilvarry von Dolmen Securites. Doch obwohl sich Irland damit in der Krise nun etwas Luft verschafft haben dürfte, seien die fundamentalen Probleme noch nicht gelöst. Die Regierung müsse weiter darum kämpfen, die Kosten für die Hilfskredite von Europäischer Union (EU) und Internationalem Währungsfonds (IWF) zu senken und die Laufzeiten zu verlängern, sagte Gilvarry.

Die Geldhäuser hatten sich im Zuge der Finanzkrise als Achillesferse der irischen Wirtschaft erwiesen. Die Probleme zwangen Irland als erstes Land unter den Euro-Rettungsschirm, der nach der Griechenland-Krise von EU und IWF aufgespannt wurde. Doch trotz der 85 Milliarden Euro schweren Hilfen von EU und IWF hängen die Banken des Landes immer noch am Zentralbank-Tropf. Ende Februar lagen ihre Schulden bei der EZB und der irischen Zentralbank bei 150 Milliarden Euro. Zudem hatte die irische Notenbank im Rahmen ihres Nothilfeprogramms ELA 70 Milliarden Euro in die Geldhäuser gepumpt.

Den Banken macht zu schaffen, dass Investoren massiv Geld abgezogen haben und ihnen andere Banken wegen der anhaltenden Unsicherheiten kaum Kredite bereitstellen. Irland hofft nun, dass die neuen Stresstests unter den Augen des IWF den Investoren die Angst vor neuen bösen Überraschungen nehmen. Dies war nach den ersten europäischen Stresstests nicht der Fall: Denn obwohl die irischen Banken die Belastungsprobe bestanden hatten, musste der Staat später die Institute mit 46 Milliarden Euro retten.

Experten rechnen aber nicht damit, das die neuen Tests, deren Ergebnisse am Donnerstag vorgelegt werden sollen, eine größere Liquiditätslücke als die 35 Milliarden Euro zutage fördern werden, die von EU und IWF in ihrem Hilfspaket für den Bankensektor veranschlagt sind. In einer Reuters-Umfrage unter Experten war von rund 25 Milliarden Euro die Rede. Auch der Zeitung „Irish Independent“ zufolge dürfte der Kapitalbedarf geringer ausfallen. Ohne Nennung von Quellen schrieb das Blatt, dass die faktisch verstaatlichte Allied Irish Banks mehr als zehn Milliarden Euro benötigen dürfte, die Bank of Ireland weniger als fünf Milliarden sowie Irish Life & Permanent und EBS Building Society einstellige Milliardensummen brauchen würden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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