Irische Banken
Rettung Nummer vier

Irland, Klappe die Vierte - noch einmal wird der Versuch gestartet mit einem Rettungspaket die irischen Banken vor der Pleite zu bewahren. Eines ist auf jeden Fall sicher: Der ganze Prozess wird nicht ohne massive Einschnitte klappen.
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LONDON. Es ist der vierte Versuch innerhalb von weniger als zwei Jahren, die irischen Banken vor der Pleite zu bewahren. Weitere 35 Milliarden Euro haben EU, IWF und Irland am Sonntag für die Geldinstitute des Landes zur Seite gelegt. Die Gesamtkosten für die Rettung der irischen Banken summieren sich damit auf bis zu 85 Milliarden Euro - das ist mehr als die Hälfte des irischen Bruttoinlandsprodukts. Am Ende könnten alle wichtigen irischen Banken mehrheitlich in Staatsbesitz sein.

Die Hilfskonditionen fallen vergleichsweise günstig aus. Die Aktien der irischen Banken schossen am Montag deutlich in die Höhe. Allerdings machte die Regierung deutlich, dass sie die Institute radikal verkleinern und gesundschrumpfen will. So soll die bereits im September komplett verstaatlichte Problembank Anglo Irish "so schnell wie möglich" geschlossen werden, sagte Notenbank-Chef Patrick Honohan am Montag. Schon Anfang 2011 solle die Bank vom Markt verschwinden.

Kern des neuen Bankenrettungspakets sind strengere Eigenkapitalanforderungen. Spätestens Ende Februar 2011 müssen Irlands Geldinstitute eine harte Kernkapitalquote von zwölf statt bisher acht Prozent vorweisen. Die Bank of Ireland (BoI) braucht 2,2 Milliarden Euro zusätzliches Kapital. Das Institut will versuchen, dieses Ziel aus eigener Kraft zu erreichen. Gelingt das nicht, springt der Staat ein, dessen Anteil dann von 36 auf über 70 Prozent stieg. Auch Irish Life & Permanent, die 100 Millionen Euro benötigt, will ohne Staatshilfen auskommen. Die Allied Irish Bank (AIB) braucht insgesamt 9,8 Milliarden Euro neues Kapital. Da sie diese Summe nicht von privaten Investoren bekommen kann, steigt der Staatsanteil auf 96 Prozent.

Nach der Rekapitalisierung will die irische Zentralbank die Geldinstitute im März erneut einem Stresstest unterziehen. Banken, deren Kernkapitalquote dabei unter 10,5 Prozent sinkt, sollen weitere Kapitalspritzen vom Staat bekommen.

Die Eigentümer vorrangiger Anleihen werden nicht an den Kosten der Rettung beteiligt. Anders sieht es bei nachrangigen Anleihen aus. Irlands Finanzminister Brian Lenihan kündigte am Montag an, dass nachrangige Gläubiger auf einen großen Teil ihrer Forderungen verzichten müssten. Bei Anglo Irish betrug dieser sogenannte Hair-Cut 80 Prozent.

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