Irischer EU-Abgeordneter

„Es gibt eine enorme Anti-Merkel-Stimmung“

„Wut im Bauch“, „krasse Erpressung“, „riesige Lüge“ – vor der Abstimmung der Iren über den Fiskalpakt findet der irische EU-Parlamentarier Paul Murphy deutliche Worte. Vor allem mit Deutschland geht er hart ins Gericht.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): In Irland nicht sonderlich beliebt. Quelle: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): In Irland nicht sonderlich beliebt.

(Foto: dpa)

DublinWenn die Iren am heutigen Donnerstag über den Fiskalpakt abstimmen, dann tun sie das mit einer großen Wut auf Angela Merkel im Bauch. "Es gibt eine enorme Anti-Merkel-Stimmung in der Bevölkerung", sagt der irische EU-Abgeordnete Paul Murphy im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd. "Die Menschen empfinden es als krasse Erpressung." Der Sozialist sieht das Spardiktat als großen Fehler, der die Wirtschaft abtöte und Jobs vernichte. Der Dubliner hofft, bei einem Nein der Iren verliere der Pakt seine Legitimität und werde nicht in Kraft treten. Das Interview im Wortlaut:

Frage: Herr Murphy, Sie haben in ihrer Heimat für ein Nein zum Fiskalpakt gekämpft. Warum?

Paul Murphy: Der Sparvertrag würde Irland sechs Milliarden Euro kosten, in der EU insgesamt 200 Milliarden Euro. Er zerstört die Leben von Menschen, schafft Arbeitslosigkeit, schädigt die Wirtschaft. Außerdem wird den Menschen durch die Schuldenbremse das demokratische Recht genommen, eine andere Politik zu wählen.

Der irische EU-Parlamentarier Paul Murphy.

Der irische EU-Parlamentarier Paul Murphy.

Letzte Umfragen sehen die Befürworter bei 58 Prozent in Führung. Haben die Gegner noch eine Chance?

Vor den ersten Abstimmungen über den Maastricht-Vertrag und den Lissabon-Vertrag sah es auch nach einem Ja aus, dann verloren die Befürworter. Ich wäre nicht sehr überrascht, wenn der Pakt im Referendum durchfällt. Die Anhänger haben nur ein Argument: Dass wir bei einem Nein keine Möglichkeit auf neue Hilfskredite mehr haben.

Was würde das Scheitern bedeuten?

Es würde die Revolte in ganz Europa gegen den Sparzwang stärken. Weil es das einzige Referendum ist, ist es von kritischer Bedeutung. Der Druck auf Frankreich und die Niederlande würde steigen, den Pakt nicht zu ratifizieren. Dann wäre er komplett delegitimiert. Auch wenn Irland als einziges Land ablehnt, wäre das kein Weltuntergang.

Aber sie könnten auf keine neuen Notkredite mehr hoffen. Würde ihr Land wieder in den Abgrund stürzen?

Das ist das einzige Argument der Befürworter. Sie sagen, ein Ja garantiert uns weitere Hilfe aus dem Rettungsfonds ESM. Aber in Wirklichkeit gäbe es ein zweites Programm nur, wenn alle Euroländer geschlossen zustimmen. Und das tun sie, wenn es in ihrem Interesse ist und wenn es im Interesse ihrer Banken ist. Und wenn es nicht in ihrem Interesse ist, gäbe es auch kein neues Geld. Ob wir für oder gegen den Fiskalvertrag stimmen, ändert daran überhaupt nichts. Die entscheidende Aufgabe ist, alles zu tun, damit ein zweites Bailout-Programm nicht notwendig wird. Und das schaffen wir nur ohne Sparzwang. Sehen Sie nach Griechenland: Die Bedingungen für deren zweites Programm sind desaströs.

„Sparen tötet Wachstum.“
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97 Kommentare zu "Irischer EU-Abgeordneter: „Es gibt eine enorme Anti-Merkel-Stimmung“"

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  • Hallo,

    raus aus dem Euro so schnell es geht, raus aus allen Verplichtungen und Garantien für andere BEVOR der ESM rechtsgültig ist, die sicherlich schmerzhafte Zeit überstehen wir auch noch. Aber dann haben wir wieder den Rücken frei. Alles andere endet über kurz oder lang im Bürgerkrieg, europaweit. Und genau das ist gewollt, dann ist nämlich für diese Leute der Weg frei in Ihre schöne neue Welt. Und dann geht es erst richtig los mit der Entrechtung. Die Fußball-EM steht vor der Tür, mal sehen was Frau Merkel alles so an Steuererhöhungen da Im Hintergrund durchpeitschen will. Mit Ihrer Herkunft musss man sich beschäftigen, Ihrem früherem Leben, dann weis man wessen geistes Kind Sie ist.

  • Wieso interviewt eine der führenden deutschen Blätter im Bereich Politik & Wirtschaft einen so bedeutungslosen irischen populistischen EU-Parlamentarier zu diesem Thema? Allein die Aussage "Sparen tötet Wachstum" zeigt, warum so viele Deutsche hinter der Angela Merkel stehen - deutsche Steuergelder Wachstumspakete anderer EU-Staaten ohne Gegenbedingung zu pumpen ist fahrlässig und unverantwortlich.

  • @Faktenlage
    Vielen Dank für die Aufklärung und mit Belegung von Fakten, Zahlen und Daten.

    Aber ich bin kein Schwarzseher sondern eher ein positiv eingestellter der immer das gute in den schlechten Dingen sieht.
    Wir Jammern hier auf einem extrem hohen Niveau. Das die Griechen nicht den Bürgerkrieg ausgerufen haben, ist das allerletzte was ich erwarte (was aber durchaus noch sein kann).
    Ich bin mir bewusst das Deutschland seit den 1950er Jahren Exportweltmeister ist (auch wenn Heute China diesen Titel innehat), das es nur Deutschland sein kann, die als Industrienation in der EU, es schaffen kann und wird diese Krise zu meistern (wenn auch mit einem blauen Auge).
    Nur müssen da einige Dinge die im Argen liegen erstmal aus der Welt geschaffen werden (Banken in die restriktive Mangel nehmen, Hedge Fonds verbieten, Hebel verbieten usw. und vorallendingen die Aktienanalysten verbieten (hat ja mit der eigentlichen Liquidität der Firmen nichts zutun, die an der Börse gelistet sind)).
    Ich bin als Migrant hier in Deutschland geboren. Ich liebe Deutschland auch wenn ich nicht immer Fair behandelt worden bin. Deutschland hat soviel Potential, soviel Schaffenskraft. Aber nein, der gemeine Deutsche (da nehme ich micht nicht raus) Jammert lieber, als das Sie die Ärmel hochkrempelt und die Aufgaben angeht die sich uns stellen.
    Sie sehen, ich sehe nicht Schwarz sondern Positiv. Ich habe nur ein Problem damit, das ich für (und das zählt für die Griechen, die Iren usw. genauso) gerade Stehen soll, was ich nicht verursacht habe.
    In diesem Sinne...

  • Das ist mal interessant hier, oder?

    http://nachrichten.t-online.de/rueckkehr-zur-d-mark-fuer-die-rettung-europas-/id_56844864/index

  • Es gibt eine einfache Volksweisheit: "Beim Geld hört die Freundschaft auf". Kennt jeder, nur unsere Politiker anscheinend nicht.
    @Ben Vollkommen richtig. Hier ein kurzer Beweis unserer aller Kanzlerin:

    http://www.youtube.com/watch?v=6nzAwNoSbUw

    30 sec., die es in sich haben.

  • Narzissmus ist eine psychische Störung die die meisten Menschen die MAchtpositionen innehaben erfasst . Nur ganz ganz wenige - so die Geschichte - können mit Macht zum guten der Menschheit umgehen - und die bezahlen meistens mit ihrem Leben dafür.

    Es ist einfach nur zu traurig dass die Iren uns Deutsche nun alle in denselben Topf werfen
    ...aber irgendwo haben die auch Recht ..........wenn der deutsche Michel schläft und das alles zulässt .... neuerdings sogar von Merkel verordnetes DENKVERBOT www.deutschmittelstandsnachrichten.de

  • @General-Investigation

    Zustimmung!
    Dazu am Beispiel Italien anschaulich dargestellt:
    "DIE QUALEN DER MENSCHEN"
    http://www.fortunanetz.de/kbeobacht/2012/April/April10.php

  • EZB-Präsident Mario Draghi fordert eine bessere Aufsicht des europäischen Finanzsektors. Dies sei die Konsequenz aus der Bankenkrise, die derzeit Spanien in den Abgrund zieht. „Die Lehre ist eine weitere Zentralisierung der Bankenüberwachung“, sagte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Brüssel vor dem Wirtschaft- und Währungsausschuss des EU-Parlaments.

    So genannte systemrelevante Bankenhäuser sollten von einer solchen Aufsicht überwacht werden – und zwar auch dann, wenn die Geldinstitute nicht grenzüberschreitend aktiv seien, sagte Draghi, der auch Vorsitzender des Fachausschusses für Systemrisiken im Finanzsektor (ESRB) ist.

    Mit dieser Aufsichtsbehörde will Draghi das Problem vermeiden, dass bei Bankenkrisen offenbar die Wahrheit immer nur häppchenweise zu Tage tritt – wie am Beispiel Spanien erneut zu sehen sei. „Das ist die schlechteste Art und Weise, die Dinge zu machen“, sagte er.

    Ebenso wie EU-Kommissions-Präsident Manuel Barroso spricht sich auch EZB-Präsident Draghi für eine „Bank-Union“ in der Eurozone aus. Teil dieser Bank-Union solle eine einheitliche Überwachung, eine Rettungseinrichtung für Großbanken sowie eine harmonisierte Einlagensicherung sein.

    Auf dem EU-Gipfel am 28. und 29. Juni wird EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy einen Fahrplan für die Vertiefung der Währungsunion zur Debatte stellen.

  • Daß unserem Adel (petervonbremen) unbekannt ist daß sich Merkel und Schäuble bisher erfolgreich gegen Eurobonds und direkte Bankenfinanzierung via ESM gewehrt haben liegt wohl an seiner Vorliebe für die Regenbogenpresse.

    Und ebenso daß der ESM nur mit Zustimmung ALLER Beteilgten tätig werden kann.

    Einen Neuerung bringt unser Adliger (petervonbremen) aber doch noch zustande - wenn auch nur in Form seiner Analpöbeleien.

  • Hier der Link zur Online-Petition gegen den ESM:
    https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=24314

    Langsam wird's Zeit, oder?

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