Irlands Nein zur EU-Reform
Souveränes Volk oder ignorante Egoisten?

Seit die irischen Wähler den EU-Reformvertrag von Lissabon abgelehnt haben, wird auf der Grünen Insel über die Gründe für das Nein gestritten. Die Stimmung ist gereizt: Während die einen neu abstimmen wollen, befürchten andere die Rückkehr des "Alptraums Lissabon".

LONDON. Demonstrant Richard Behal parkte seinen Ford mit der Aufschrift "Irland rettet Europas Demokratie" genau vor dem Parlamentsgebäude in Dublin. Drinnen debattierten die Abgeordneten über das "Nein" der Iren zum EU-Reformvertrag von Lissabon, doch viele Bänke blieben leer. Außer Sinn-Fein-Parlamentarierin Caoimhghín Ó Caoláin, die eine "bescheidene und erreichbare" Wunschliste für Vertragsänderungen verlas, hatte niemand viel zu sagen.

"Der Wille des Volkes ist souverän in unserer Demokratie", betonte Premier Brian Cowen. "In Europa ist die Demokratie nicht weniger heilig." Doch eine "schnelle Lösung" der Krise um den EU-Vertrag konnte der Regierungschef nicht aus dem Hut zaubern. So begann, was die irische Sonntagszeitung "Tribune" als die Neuauflage eines Horrorfilms bezeichnete. "Lissabon, die Zweite . Der Alptraum kehrt zurück."

Erst einmal hat Irland Zeit. Aufschub bis Oktober, wenn Cowen den Partnern neue Vorschläge unterbreiten soll, dann bis zum Frühjahr 2009, wenn ein Referendum den irischen Fehltritt wieder auswetzen soll. Aufschub? "Das Wort wird normalerweise verwendet, wenn jemand kurz vor der Hinrichtung steht", schrieb Blogger O?Connell auf "Hidden Ireland".

Forderungen nach einer zweiten Volksabstimmung werden laut: "Es ist unvermeidlich, dass es dabei um die Frage geht: Sind wir in der EU oder draußen?", zitierte Shane Coleman, Politikchefin der "Tribune", gestern einen Regierungsbeamten. "Wenn Mugabe seinen Job in Simbabwe verliert, sollte man ihn zum Direktor für Wahlen in der EU machen", kommentierte Online-Leser Denis Mahon.

Die Stimmung in Irland ist gereizt. "Irish-Times"-Kolumnist John Waters wetterte über "die schmählichste Episode in der Geschichte von Irlands Demokratie". Dann erinnerte der frühere britische Premier John Major an die Rechtslage und machte alles noch schlimmer: "Irland hat jedes Recht, seine Entscheidung als endgültig zu betrachten", sagte er, als er in Cork in Westirland zum Ehrenbürger ernannt wurde.

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