Irmfried Schwimann
Brüssels Speerspitze gegen die WestLB

Sie ist eine wichtige Frau in Brüssel und hat Einfluss, wenn es um die Zukunft angeschlagener Finanzinstitute geht. Die Leiterin der Task-Force „Finanzkrise“ in der EU Irmfried Schwimann darf auch bei der angeschlagenen WestLB, die derzeit um eine Fristverlängerung kämpft, mitreden.
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BRÜSSEL. Die meisten Banker in Europa kennen und fürchten sie – denn als Direktorin „Märkte & Fälle: Finanzdienstleistungen“ und Leiterin der Task-Force „Finanzkrise“ in der EU-Wettbewerbsbehörde redet Irmfried Schwimann (50) ein gewichtiges Wort mit, wenn es um die Zukunft angeschlagener Finanzinstitute geht wie jetzt bei der WestLB. Keine Beihilfegenehmigung, ohne dass der Fall nicht über den Tisch der Österreicherin gegangen wäre. „Schwimann ist äußerst tief in der Materie drin“, heißt es in Brüsseler Anwaltskreisen. Doch sie polarisiert auch.

In der Öffentlichkeit tritt die Beamtin selten auf. Eine Aussage aus dem Herbst 2009 dürfte Vertretern der WestLB inzwischen hohl klingen: Bei einer Veranstaltung hatte Schwimann anklingen lassen, die EU-Kommission werde vom Staat gestützte Banken bei der nötigen Restrukturierung nicht zu einem Verkauf von Geschäftsbereichen zu jedem Preis drängen. Die Banken bekämen genügend Zeit, Aktiva abzustoßen, damit der Markt nicht überschwemmt werde.

Derzeit kämpft die WestLB beim Verkauf ihrer Tochter „Westimmo“ für eine Fristverlängerung – bislang erfolglos. Dabei heißt es in Brüsseler Finanzkreisen, das Ultimatum schade mehr, als es nütze. Interessenten nutzten es, um Druck zu machen und das Objekt billig zu bekommen.

Doch Schwimann und ihr Team knicken ungern ein. Jenen, die von ihren Entscheidungen betroffen sind, gilt die Topbeamtin als starrköpfig. Schwimann habe es geschafft, einen Corps-Geist in der Behörde zu entwickeln, heißt es. Sie selbst lässt den Vorwurf an sich abtropfen: „Wir agieren nach festen Regeln in einem System von Checks und Balances. Da kann ich mir Dickköpfigkeit gar nicht erlauben.“

Die promovierte Juristin und Politologin hat an der Uni Linz studiert und am Institut d’Etudes Politiques in Paris. Bevor sie Anfang des Jahrtausends für die Kommission zu arbeiten begann, war die dreifache Mutter in den 80er-Jahren für das österreichische Außenministerium und in den 90er-Jahren für eine Versicherungsgruppe tätig.

Thomas Ludwig
Thomas Ludwig
Handelsblatt / EU-Korrespondent

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