IS-Anschlag in Teheran
Revolutionsgarden machen Saudi-Arabien mitverantwortlich

Bei zwei Terrorattacken in der iranischen Hauptstadt sind am Mittwoch mindestens 18 Menschen getötet worden. Die Terrormiliz IS reklamierte die Tat für sich. Die Revolutionsgarden machen Saudi-Arabien mitverantwortlich.
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TeheranDie Anschlagsserie der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Fastenmonat Ramadan reißt nicht ab. Zwei Terrorattacken, bei denen mindestens 18 Menschen starben, erschütterten am Mittwoch die iranische Hauptstadt Teheran. Insgesamt stürmten sechs Terroristen das Parlament und das Mausoleum des verstorbenen Revolutionsführers Ruhollah Chomeini im Herzen Teherans. Zwei waren Selbstmordattentäter, die sich in die Luft sprengten, die übrigen vier wurden erschossen. Zudem kamen mindestens zwölf Wächter und Zivilisten ums Leben. Mehr als 40 Menschen wurden verletzt.

Der IS reklamierte die Tat für sich, wie die auf dschihadistische Propaganda spezialisierte Site Intelligence Group unter Berufung auf das IS-Sprachrohr Amak meldete. Nach Bagdad, Kabul und London ist die Doppelattacke in Teheran bereits der vierte große Anschlag seit Beginn des Ramadans, zu dem sich der IS bekannt hat.

Schon im März hatte es Aufrufe des IS gegeben, den Iran anzugreifen. Eigentlich soll der Fastenmonat eine Zeit des Friedens sein. Dschihadisten wie der IS rufen ihre Anhänger in dieser Zeit hingegen ausdrücklich zum Kampf und zu Anschlägen auf.

Nach Angaben des Innenministeriums hatten sich vier Männer als Frauen verkleidet Zugang zum Parlament verschafft. Drei wurden erschossen, einer sprengte sich in die Luft. Auch im Mausoleum des verstorbenen Revolutionsführers Ruhollah Chomeini in Südteheran gab es einen Selbstmordattentäter, ein Angreifer wurde dort erschossen.

Der iranische Präsident Hassan Ruhani verurteilte die Anschläge scharf. „Dieser blinde und feige Anschlag von terroristischen Söldnern wird den Kampf Irans gegen die Terroristen nur weiter stärken“, fügte er hinzu. Nach den Anschlägen in Teheran habe der Iran die gleiche Botschaft wie bei vorherigen Terrorangriffen. Eine regionale und globale Zusammenarbeit sei derzeit die wichtigste Notwendigkeit, um den Terrorismus effektiv zu bekämpfen, sagte Ruhani. Ohne den Erzfeind Saudi-Arabien bei Namen zu nennen, warf er „einigen Ländern“ der Region vor, mit ihrer Politik islamische Extremisten zu unterstützen.

„Das war wieder ein feiger Angriff und ein nutzloser Versuch, uns einzuschüchtern“, sagte Parlamentspräsident Ali Laridschani. Der Iran werde Terroristen weiterhin konsequent bekämpfen und alle ihre Terrorzellen im Iran zerstören.

Auch das US-Außenministerium verurteilte die Anschläge von Teheran. „Wir drücken den Opfern und ihren Familien unser Beileid aus, und wir senden dem iranischen Volk unsere Gedanken und Gebete“, heißt es in einer kurzen Mitteilung. „Die Verdorbenheit des Terrorismus hat keinen Platz in einer friedlichen, zivilisierten Welt.“ Die USA haben unter US-Präsident Donald Trump ihren Kurs gegenüber dem Iran deutlich verschärft.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel nannte die Attentäter „gewissenlose Verbrecher“. „Wo der Terror keine Grenzen kennt, dürfen sich Mitgefühl und Menschlichkeit keine Schranken auferlegen“, hieß es in einer in Berlin veröffentlichten Erklärung.

Für die sunnitische IS-Terrormiliz ist der schiitische Iran ein Erzfeind. Vom Iran gesponserte Milizen sind sowohl in Syrien als auch im Irak im Einsatz. Teheran ist ein treuer Unterstützer des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Der Iran hatte stets betont, das sicherste Land im Nahen Osten zu sein.

Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) reagierten wütend auf den Anschlag und schworen Rache. „Wir werden jeden Tropfen Blut der unschuldigen Opfer dieses barbarischen Anschlags rächen“, hieß es in einer Presseerklärung. Die Revolutionsgarden machten Saudi-Arabien mitverantwortlich für die Terroranschläge des IS. Die saudische Regierung unterstütze Teile der IS-Terrorzellen, fügten sie hinzu, ohne Beweise für diese Unterstellungen vorzulegen.

Die Situation in der Region ist derzeit ohnehin spannungsgeladen: Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Ägypten und der Jemen brachen am Montag alle diplomatischen Kontakte zu Katar ab. Mauretanien zog am Dienstag nach, auch Jordanien fuhr seine diplomatischen Beziehungen zurück. Katars Nachbarländer schlossen zudem die Grenzen. Die arabischen Staaten beschuldigen Katar, Terrororganisationen wie den IS zu unterstützen. Gleichzeitig stoßen sie sich an den angeblich guten Beziehungen Katars zum Iran. Das sunnitische Königreich Saudi-Arabien sieht in Teheran einen Erzrivalen in der Region. Der Iran hat Katar Hilfe angeboten.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Bitte auch hier mal nachlesen, gegen die freie westliche Welt würden die Waffen bedenkenlos eingesetzt, wenn sie dem IS/Taliban zur Verfügung stünden:

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/is-islamischer-staat-taliban-hoffen-auf-atomwaffen-a-995705.html

  • Warum sind zur Bekämpfung des Islamischen Staates Atombomben keine Option?

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