IS-Anschlag in Tunesien
Touristen reisen ab

Nach dem Terroranschlag in Tunesien droht dem Tourismussektor des Landes massiver Schaden. Die großen Reiseveranstalter bieten ihren Kunden an, geplante Urlaube nach Tunesien kostenlos umbuchen oder stornieren zu können.
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TunisDer Tourismussektor in Tunesien leidet nach dem Terroranschlag. Der große Reiseveranstalter Tui flog bereits mindestens 80 Gäste aus. Britische Anbieter stellten mindestens zehn Flugzeuge bereit, um Tunesien-Touristen nach Hause zu holen. An den Stränden des Badeortes Sousse, in dem am Freitag 38 Menschen von einem mutmaßlich islamistischen Täter erschossen worden waren, herrschte vor allem Leere.

Tunesiens Regierungschef Habib Essid kündigte an, der Kampf gegen den Terrorismus sei nun nationale Aufgabe. Der nationale Sicherheitsrat beschloss, bis zu 80 Moscheen zu schließen, in denen Extremisten verkehren sollen. Außerdem sollen verdächtige Parteien oder Vereine eventuell aufgelöst werden.

Unter den Opfern des Anschlags ist mindestens ein Deutscher. Wie Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Samstagabend in Berlin mitteilte, wurde zudem mindestens eine weitere Deutsche verletzt. Es werde zudem nicht völlig ausgeschlossen, dass noch einige weitere Deutsche unter den Opfern sind. Nach Angaben des tunesischen Gesundheitsministeriums dürfte es sich bei der Mehrzahl der Opfer um Briten handeln.

Zu dem Angriff auf das Strandhotel „Imperial Marhaba” am Mittelmeer bekannten sich Unterstützer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). In einer nicht verifizierbaren Twitter-Mitteilung hieß es, ein „Soldat des Kalifats” habe den „abscheulichen Hort der Prostitution, des Lasters und des Unglaubens” angegriffen. Der Attentäter war von Sicherheitskräften erschossen worden.

Viele Vermisstenfälle hätten inzwischen aufgeklärt werden können, sagte Steinmeier. „Jedoch können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht völlig ausschließen, dass noch einige wenige Deutsche unter den Opfern sind.“ Das Auswärtige Amt arbeite mit den Sicherheitsbehörden am Ort und dem Innenministerium daran, dass auch in diesen Fällen schnellstmöglich Klarheit herrsche.

Nach den tunesischen Angaben sind inzwischen 10 der 38 Getöteten identifiziert. Darunter seien auch acht Briten und eine Belgierin. Die Bundesanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) will am Montag nach Sousse reisen.

Der mutmaßliche Täter war ein tunesischer Student, der am Freitag das Hotel „Imperial Marhaba“ in Sousse überfallen hatte, rund 120 Kilometer von der Hauptstadt Tunis entfernt. Laut Augenzeugen zückte er am belebten Strand des Hotelkomplexes eine Waffe und eröffnete das Feuer. Sicherheitskräfte töteten ihn.

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