IS-Anschlagswelle
Über 120 Tote bei Anschlag auf Assad-Hochburg

Im syrischen Dschableh und Tartus kam es zu mindestens sieben Anschlägen. Dabei sollen mehr als 120 Menschen getötet worden sein. Der IS bekannte sich zu den Anschlägen und verbreitete im Internet eine Erklärung.

Beirut/AdenDie Extremistenmiliz Islamischer Staat hat am Montag mit einer verheerenden Anschlagsserie das Kernland des syrischen Machthabers Baschar al-Assad ins Visier genommen. Der Opposition zufolge wurden dabei in den Küstenstädten Dschableh in der Provinz Latakia und Tartus mehr als 120 Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt. Die Gebiete, die bislang von den schlimmsten Folgen des Bürgerkriegs verschont blieben, werden von regierungstreuen Einheiten kontrolliert. In Tartus befindet sich zudem ein Marine-Stützpunkt des Assad-Verbündeten Russland. Auch im Jemen verübte der IS einen folgenschweren Anschlag. Ein Selbstmordattentäter sprengte sich in der Nähe von Armee-Rekruten in Aden in die Luft und riss mindestens 40 von ihnen mit in den Tod.

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von mindestens sieben Anschlägen in Dschableh und Tartus, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. In fünf Fällen habe sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt, zweimal seien Autobomben detoniert. Die syrische Führung bestätigte die Anschläge, gab die Zahl der Toten mit 78 aber geringer an. Der IS erklärte über seine Propagandaagentur Amak, die Anschläge richteten sich gegen die Religionsgemeinschaft der Alawiten, zu der auch Assad gehört. Das Kernland der Alawiten ist Latakia. Die Provinz beheimatet auch den russischen Luftwaffenstützpunkt Hmejmim, von dem aus die russische Regierung zahlreiche Luftangriffe gegen Rebellen fliegt.

Bilder des staatlichen Fernsehens zeigten von einem der Anschlagsorte Wracks verbrannter Autos und Kleinbusse. In Internet-Netzwerken kursierten Fotos von Toten, die auf die Ladeflächen von Lastern geladen wurden, sowie von auf dem Boden verstreuten Leichenteilen. In Tartus wurde offiziellen Angaben zufolge unter anderem eine Tankstelle von Selbstmordattentätern angegriffen. In Dschableh wurde übereinstimmenden Angaben zufolge ein Anschlag auf ein Krankenhaus verübt.

Ein Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin zeigte sich besorgt und mahnte weitere Bemühungen zur Wiederbelebung der festgefahrenen Friedensgespräche zwischen syrischer Regierung und Aufständischen an. Die Kämpfe waren zuletzt ungeachtet einer vereinbarten Waffenruhe immer wieder aufgeflammt. Der IS gehört nicht zu den Rebellengruppen, die an den Verhandlungen unter UN-Vermittlung beteiligt sind.

Der IS bekannte sich auch zu dem Anschlag in Aden mit 40 Toten und mehr als 60 Verletzten. Ziel sei „die abtrünnige jemenitische Armee“ gewesen, hieß es in einer über das Internet verbreiteten Erklärung. Im Jemen hat die radikal-islamische Al-Kaida – ein Rivale des IS – das Chaos der Bürgerkriegs genutzt, um Fuß zu fassen. Der IS verübt seinerseits Anschläge auf alle Kriegsparteien.

Aden ist derzeit Sitz der jemenitischen Regierung. Die Hauptstadt Sanaa ist von Huthi-Rebellen besetzt. Die mit dem Iran verbündete Miliz kämpft gegen den von Saudi-Arabien unterstützten Präsidenten Abd-Rabbu Mansur Hadi. Zwar laufen Friedensverhandlungen, sie stocken jedoch. Zuletzt haben die Regierungstruppen mit Unterstützung der Vereinigten Arabischen Emirate die Al-Kaida im Süden des Landes zurückgedrängt. Die Zahl der Toten bei den Konflikten in dem verarmten Land wird auf 6000 geschätzt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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