IS belagert Kobane
Kurden drängen Türkei zur Intervention

Die Kurdenbastion Kobane in Nordsyrien steht kurz vor dem Fall. Die Türkei könnte mit Bodentruppen eingreifen, hält sich allerdings zurück. Das führt zu gewalttätigen Protesten - auch in Deutschland.
  • 9

Istanbul/Kobane/Berlin/HamburgBei Protesten gegen den Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf die Kurdenbastion Kobane in Nordsyrien sind in der Türkei nach Medienangaben mindestens 14 Menschen getötet worden. Wie die Zeitung „Hürriyet“ in der Nacht zum Mittwoch weiter schrieb, seien zudem zahlreiche Menschen verletzt worden.

In mehreren türkischen Provinzen sei eine Ausgangssperre verhängt worden. In Ankara habe die Polizei gegen Demonstranten Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt.

Tausende Kurden hatten in der Türkei gegen die Belagerung von Kobane protestiert. Sie forderten die türkischen Regierung auf, mehr zum Schutz der überwiegend kurdischen Bevölkerung in der Grenzstadt zu tun. Die Proteste am Dienstag konzentrierten sich in den überwiegend von Kurden bewohnten Provinzen im Osten und Südosten der Türkei. Aber auch in der Metropole Istanbul und in der Hauptstadt Ankara kam es zu Kundgebungen.

Die US-Regierung ist nach den Worten eines Washingtoner Regierungsbeamten besorgt wegen des bislang zögerlichen Verhaltens der Türkei im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). „So sollte sich ein Nato-Verbündeter nicht verhalten, während einen Steinwurf von seiner Grenze entfernt die Hölle los ist“, sagte ein nicht namentlich genannter Regierungsvertreter der „New York Times“.
Trotz Luftangriffen der USA und arabischer Verbündeter und massiver Gegenwehr kurdischer Kämpfer sind IS-Milizen am Dienstag weiter in die strategisch wichtige Stadt Kobane an der Grenze zur Türkei eingerückt. Bislang hat die Regierung in Ankara trotz eines Parlamentsmandats militärisch nicht gegen den IS eingegriffen.

Uno-Vermittler warnt vor Sieg für IS

Unterdessen forderte der Uno-Syrienvermittler Staffan de Mistura die Weltgemeinschaft eindringlich zur Hilfe bei der Verteidigung der seit Tagen umkämpften syrisch-kurdischen Grenzstadt auf. Kobane stehe kurz vor der Einnahme durch IS, sagte de Mistura laut Mitteilung der Vereinten Nationen in Genf. Es brauche nun „konkrete Handlungen“.

„Die internationale Gemeinschaft kann keine weitere Stadt mehr unter die Herrschaft des IS fallen lassen“, sagte de Mistura. „Die Welt, wir alle, werden es zutiefst bereuen, wenn der IS in der Lage ist, eine Stadt zu übernehmen, die sich selbst mit so viel Tapferkeit verteidigt hat, das aber bald nicht mehr kann. Wir müssen jetzt handeln.“

Der Vormarsch der extremistischen Kämpfer des Islamischen Staates (IS) in Kobani erhöht den Druck auf das Nato-Mitglied Türkei, sich in den Konflikt einzuschalten. So warfen kurdische Politiker der Regierung in Ankara Untätigkeit vor und riefen zu Protesten auf.

Der stellvertretende Ministerpräsident Yalcin Akdogan verwahrte sich dagegen. "Es ist eine massive Lüge, dass die Türkei nichts im Fall Kobani tut", schrieb er auf Twitter. In humanitären Belangen unternehme sein Land alles, was es könne.

Kommentare zu " IS belagert Kobane: Kurden drängen Türkei zur Intervention"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Tuerkei hat sich schon die Finger verbrannt,man hat
    drin zugestimmt hat dass die Nato von ihrem Grundgebiet aus den syrischen Krieg
    fuehren konnte.Die Belohnung war Zutritt zur EU.Jetzt ist die ganze Region
    angesteckt und werden viele Laender destabilisiert.Die US-Krieger i/d Nato
    haben wieder einmal Mist gebaut weil die EU-MarionetNatoMinister alles
    abgenickt haben (man sollte sie dafuer sofort entlassen).Die Tuerkei sieht eine
    Kurdische Nation entstehen,die NatoUS-Krieger verlieren ihren SyrienKrieg und
    die ganze Region droht zu explodieren inkl. die Tuerkei selbst.Erdogan hat
    gespielt und verloren,genau wie die EU nach den vielen US-Kriegsabenteuern,nur
    in Probleme+Krisen versandet.Wenn Erdogan jetzt eine Falsche Entscheidung trifft mit ISIS,gibt es in Zukunft keine Tuerkei mehr

  • Die Türkei zeigt deutlich, dass sie nicht in die EU gehört.
    Hoffentlich kapieren das unsere Politiker mal
    Aber usnre Politiker sind derart blöd, die können nur über ihr eigenes Geld nachdenken
    Und auch eine weitere Mitgliedschaft in der NATo sollte mal übrdacht werden

  • ....und nebenbei die Deutschen Leopard Panzer stehen nur an der Grenze um flüchtende Kurdenkämpfer wie Hasen abzuschiessen wenn sie versuchen in die Türkei zu fliehen nachdem die Isis die Stadt Kobani eingenommen hat. Danke an die Deutschen Politiker die Erdogan ausrüsten!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%