IS-Kämpfer fallen in Grenzstadt ein
Türkei zögert mit Hilfe für Kobane

Der türkische Präsident ist überzeugt: Die Grenzstadt Kobane steht vor der Übernahme durch die Terroristen-Gruppe IS. Doch noch hat kein türkischer Soldat die nahe Grenze zu Syrien überschritten – doch der Druck wächst.
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Mursitpinar/Beirut/IstanbulDie Milizen des Islamischen Staats stehen drei Wochen nach Beginn ihrer Offensive offenbar kurz vor der Einnahme Kobanes im Norden Syriens. Die noch von Kurden gehaltene Stadt drohe bald zu fallen, warnte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Dienstag beim Besuch eines Flüchtlingslagers für Syrer.

Die radikalislamischen Kämpfer könnten nicht mit Luftangriffen aufgehalten werden. Milizen der sunnitischen Extremisten-Gruppe haben Randbezirke der Stadt in unmittelbarer Nähe zur türkischen Grenze unter ihre Kontrolle gebracht. Nach Angaben der syrischen Opposition versuchen die Kämpfer des Islamischen Staats (IS) weiter in Richtung Zentrum vorzustoßen. Seit Beginn der Kämpfe seien mehr als 400 Menschen getötet worden. Angesichts der immer aussichtsloseren Lage der kurdischen Truppen in der Stadt rief Frankreich den Nato-Partner Türkei zur Hilfe auf.

Am Dienstag stiegen über den östlichen und zentralen Vierteln Kobanes weiße Rauchwolken auf. Am Morgen waren Luftangriffe und Schusswechsel zu hören. Die USA und ihre Verbündeten unterstützen die Kurden in ihrem Abwehrkampf aus der Luft. Von der Grenze aus waren zwei schwarze IS-Flaggen über den östlichen Außenbezirken Kobanes auszumachen. Der IS habe in der Nacht mehrere Gebäude im südwestlichen Stadtrand eingenommen, berichtete der Chef der Syrischen Beobachterstelle für Menschenrechte, Rami Abdulrahman. Dort hätten sich die IS-Milizen ungefähr 50 Meter weit in die Stadt vorgekämpft.

Die Vertreterin der kurdischen Verwaltung, Asya Abdullah, bestätigte der Nachrichtenagentur Reuters, es gebe heftige Kämpfe in den Randgebieten der Stadt. Abdullah, die von Kobane aus telefonierte, sagte, die IS-Kämpfer hätten die Stadt mit schweren Waffen und Artilleriegranaten angegriffen. Rund 2000 Kurden, darunter viele Frauen und Kinder, flüchteten auf die türkische Seite der Grenze. Insgesamt sind nach Expertenschätzungen rund 180.000 Menschen aus der Region Kobane vor den vorrückenden IS-Kämpfern geflohen.

Das Auswärtige Amt in Berlin warnte vor Reisen an die türkisch-syrische Grenze. Im Bereich Kobane seien wiederholt Granaten auf türkischem Gebiet niedergegangen. Außerdem könnten Anschläge und Entführungen im Grenzgebiet nicht ausgeschlossen werden. Der IS hat vor Monaten einen Gottesstaat im Irak und Syrien ausgerufen und kontrolliert mittlerweile größere Gebiete in beiden Ländern. Mit Enthauptungen westlicher Geiseln und anderen Gräueltaten sorgt er weltweit für Entsetzen. Millionen von Schiiten, moderaten Sunniten und Nicht-Muslimen hat der IS zur Flucht gezwungen.

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  • Tuerkei hat sich schon die Finger verbrannt,man hat
    drin zugestimmt hat dass die Nato von ihrem Grundgebiet aus den syrischen Krieg
    fuehren konnte.Die Belohnung war Zutritt zur EU.Jetzt ist die ganze Region
    angesteckt und werden viele Laender destabilisiert.Die US-Krieger i/d Nato
    haben wieder einmal Mist gebaut weil die EU-MarionetNatoMinister alles
    abgenickt haben (man sollte sie dafuer sofort entlassen).Die Tuerkei sieht eine
    Kurdische Nation entstehen,die NatoUS-Krieger verlieren ihren SyrienKrieg und
    die ganze Region droht zu explodieren inkl. die Tuerkei selbst.Erdogan hat
    gespielt und verloren,genau wie die EU nach den vielen US-Kriegsabenteuern,nur
    in Probleme+Krisen versandet.Wenn Erdogan jetzt eine Falsche Entscheidung trifft mit ISIS,gibt es in Zukunft keine Tuerkei mehr

  • @ Cenk Deutschland

    Völkermord bleibt Völkermord, und das was den Armeniern seitens der Türkei widerfuhr, war Völkermord und ganz nebenbei die Blaupause für die Verbrechen in Auschwitz etc., inklusive der Todesmärsche am Ende des 2. Welkriegs .

    Die Armenier führen einen ganz normalen Krieg gegen Aserbaidschan.

  • Die Armenier wurden damals von den Russen geleitet. Ist es verboten sein Land vor imperialistischen Machten zu verteidigen? Die Frage müsste lauten: Wer hilft den Aserbaidschanern?

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