IS-Terror An Palmsonntag sterben Dutzende Christen in Ägypten

Ägypten unter Schock: Am Palmsonntag sterben Dutzende Christen bei Anschlägen auf Kirchen. Die mutmaßlichen Urheber melden sich mit neuen Drohungen. Präsident Abdel Farrah al-Sissi kündigt den Ausnahmezustand an.
Update: 09.04.2017 - 22:00 Uhr Kommentieren
Passanten räumen am Sonntag die Überreste nach einer Explosion vor der Kirche St. Markus in Alexandria auf. Quelle: dpa
Anschlag auf Christen in Ägypten

Passanten räumen am Sonntag die Überreste nach einer Explosion vor der Kirche St. Markus in Alexandria auf.

(Foto: dpa)

KairoNach den verheerdenen Anschlägen in Ägypten mit Dutzenden Toten hat die Terrormiliz IS mit neuer Gewalt gegen Christen gedroht. Die „Kreuzzügler“ und „Ungläubigen“ würden mit dem Blut ihrer Söhne bezahlen, hieß es in einer Mitteilung im Namen des Islamischen Staates, die am Sonntag über IS-nahe Kanäle veröffentlicht wurde. Die Echtheit konnte zunächst nicht unabhängig überprüft werden.

Bei den schwersten Terrorangriffen auf die christliche Minderheit in Ägypten seit Jahren waren am Sonntag Dutzende Gläubige getötet worden. Selbstmordattentäter rissen mindestens 45 Menschen bei Anschlägen auf zwei koptische Kirchen im Norden des Landes mit in den Tod. Die Terrormiliz IS reklamierte die Taten, bei denen über 110 weitere Menschen verletzt wurden, für sich.

Ägyptens Präsident Abdel Farrah al-Sissi hat nach den Anschlägen den Ausnahmezustand angekündigt. Dieser trete für drei Monate in Kraft, sobald die notwendigen verfassungsrechtlichen Schritte vollzogen seien, sagte er in einer Fernsehansprache. Darüber hinaus werde ein Reihe von Maßnahmen ergriffen. Zuvor hatte Sissi bereits den landesweiten Einsatz des Militärs angeordnet. Die Armee solle die Polizei beim Schutz von wichtigen Einrichtungen unterstützen.

Das Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche, Papst Tawadros II., entging dem Terror in Alexandria unverletzt. Ende April will Papst Franziskus Kairo besuchen. „Wir beten für die Opfer des Attentats“, sagte er beim Angelus-Gebet in Rom.

Am Morgen des Palmsonntags zündete zunächst ein Sprengsatz in der koptischen Kirche St. Georg in der nordägyptischen Stadt Tanta. Dort wurden mindestens 29 Menschen getötet und 71 verletzt, wie das Staatsfernsehen berichtete. An dem christlichen Feiertag war die Kirche zur Messe gut besucht. Nach der Explosion waren im Internet und im Fernsehen Videos zu sehen, die den blutverschmierten Boden und Chaos in dem Gotteshauses zeigten.

Wenige Stunden später sprengte sich den Angaben zufolge ein zweiter Selbstmordattentäter außerhalb St. Markus Kathedrale in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria in die Luft. Hier seien wenigstens 16 Menschen getötet und weitere 41 verletzt worden, teilte das Gesundheitsministerium in Kairo mit.

Nach Darstellung des Innenministerium hielten Sicherheitskräfte den Mann zuvor davon ab, in die Kirche einzudringen, in der sich Papst Tawadros II. aufhielt und in der der religiöse Führer auch seinen Sitz hat. Ein veröffentlichtes Überwachungsvideo zeigte einen Mann mit umgebundenen Pullover vor dem Gotteshaus, der offensichtlich von Sicherheitskräften gebeten wird, durch einen Metalldetektor zu gehen. Kurz darauf erschüttert eine schwere Explosion den Ort.

Der IS reklamierte die Anschläge über sein Sprachrohr Amak für sich. Die Mitteilung konnte zunächst nicht unabhängig auf Echtheit überprüft werden. Die Dschihadisten, deren Ableger im Norden der ägyptischen Sinai-Halbinsel aktiv ist, hatten sich schon im Dezember zu einem ähnlichen Anschlag bekannt. Damals waren fast 30 Menschen durch einen Selbstmordattentäter in einer Kirche in Kairo getötet worden. In Propagandavideos hatte der IS zuletzt Angriffe auf Christen angekündigt.

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