Isaf-Mission
Afghanistan: Taliban gewinnen mehr Einfluss

In Afghanistan wird die Lage für die westlichen Truppen immer schwieriger. Einem Berater des US-Oberkommandierenden zufolge gewinnen die aufständischen Taliban immer mehr Rückhalt in der Bevölkerung. In Teilen des Landes bauen sie sogar eine eigene Infrastruktur auf.

HB KABUL. Die Aufständischen führten parallel zu Einrichtungen der Regierung bereits eigene Gerichte und Krankenhäuser, sagte David Killcullen, der US-General Stanley McChrystal in strategischen Fragen berät. McChrystal, der die westlichen Truppen in Afghanistan befehligt, wollte noch am Montag eine überarbeitete Strategie im Kampf gegen die radikalislamischen Taliban vorlegen.

McChrystal war im Juni von US-Präsident Barack Obama berufen worden und hatte den Truppen aus den USA und den beteiligten Nato-Staaten bereits ein anderes Vorgehen verordnet. Demnach sollte der Fokus nicht mehr auf der Jagd nach Aufständischen, sondern auf dem Schutz der afghanischen Regierung liegen. Die Taktik war von US-General David Petraeus bereits im Irak angewandt worden, wo die Gewalt seitdem zurückgegangen ist.

Experten erwarten, dass McChystal nun vorschlagen wird, Truppen in bevölkerungsreichen Gebieten zu konzentrieren sowie die Ausbildung afghanischer Soldaten und Polizisten zu verstärken. Weitere Truppen werde der General aber voraussichtlich nicht anfordern. Obama hatte bereits eine Verstärkung der US-Streitkräfte auf 68 000 Soldaten angeordnet und den Kampf gegen die Taliban in Afghanistan als Priorität seiner Amtszeit bezeichnet.

Dennoch ist es den Taliban immer mehr gelungen, ganze Landstriche unter ihre Kontrolle zu bringen. Militärberater Kilcullen rief die Regierung in Kabul deshalb dazu auf, die Korruption in den eigenen Reihen verstärkt zu bekämpfen und die Versorgung der Bevölkerung zu verbessern. Eine Regierung, die gegen Aufständische verliere, werde nicht im Kampf besiegt, sondern verliere beim Regieren, sagte Kilcullen. Die Regierung in Kabul habe es versäumt, mit den Menschen vor Ort in Verbindung zu bleiben.

Die Bevölkerung wende sich in immer mehr Fragen an die Taliban, warnte Kilcullen. Wegen einer gestohlenen Ziege oder eines Fahrrads zur Polizei zu gehen, käme niemandem in den Sinn. Im von den Taliban weitgehend beherrschten Süden Afghanistans bestehe ein Netz von 15 Gerichten, die den Gesetzen der Scharia folgten. Entgegen der Meinung im Westen gehe es in 95 Prozent der dortigen Fälle um zivilrechtliche Themen wie Land- und Erbschaftsfragen.

Nach Meinung Kilcullens werden die schweren Kämpfe in Afghanistan noch zwei Jahre anhalten. Dann bestehe die Hoffnung, dass die Aufständischen unter dem militärischen Druck zu Verhandlungen bereit seien. Danach müsse drei Jahre lang eine effektive afghanische Regierung aufgebaut werden, gefolgt von fünf Jahren, in denen die westlichen Truppen zum Schutz noch im Land bleiben müssten.

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