Isis-Milizen
Irakische Armee drängt Rebellen bei Tikrit zurück

Nach eigenen Angaben drängt die irakische Armee die Isis-Milizen zurück, die sich in der Nähe der Stadt Tikrit befinden. Die Isis erobert derweil weiter Gebiete in Richtung Euphrat aus.
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BagdadDie irakische Armee hat nach eigenen Angaben die radikal-islamischen Rebellen in der Nähe der strategisch wichtigen Stadt Tikrit zurückgedrängt. Die Armee habe dort das Dorf Audscha von Aufständischen "vollständig gereinigt", sagte Militärsprecher Kassam Atta am Freitag. Audscha ist das Heimatdorf des früheren Machthabers Saddam Hussein, seine Eroberung ist symbolträchtig. Tikrit selbst blieb aber unter Kontrolle der sunnitischen Kämpfer des Islamischen Staates. Der Irak steht am Rande eines Bürgerkrieges und droht zu zerfallen. Der Versuch des Parlaments, in seiner ersten Sitzung eine neue Regierung zu bilden, scheiterte. Der führende schiitische Geistliche, Großajatollah Ali al-Sistani, kritisierte das als "bedauerlichen Fehler".

Die Soldaten hätten Audscha in der Nacht zu Freitag mit Unterstützung schiitischer Milizen und unter dem Einsatz von Hubschraubern eingenommen, berichteten staatliche Medien, die Polizei und Einwohner des Dorfes. Nach Armeeangaben wurden 30 Rebellen getötet. Die Regierungstruppen kontrollierten nun die wichtige Verbindungsstraße zwischen Samarra und Audscha, hieß es. Samarra liegt nur 100 Kilometer von der Hauptstadt Bagdad entfernt.

In Audscha kämpften an der Seite der Rebellen des Islamischen Staates auch Angehörige der Nakschbandi-Armee, die sich aus früheren Armeeoffizieren und Anhängern der einstigen Baath-Partei Saddams zusammensetzt. Allerdings sind der Islamische Staat und Nakschbandi nicht überall im Irak verbündet. In Hawidscha bei Kirkuk im Norden des Landes lieferten sich beide Gruppen heftige Gefechte, mindestens 15 Menschen wurden getötet.

Die meisten Gebiete im sogenannten sunnitischen Dreieck nördlich von Bagdad werden weiterhin von den Aufständischen beherrscht. Sie hatten in den vergangenen Wochen rasch weite Gebiete im Norden und Westen des Landes erobert. Vor wenigen Tagen riefen sie ein Kalifat in dem von ihnen kontrollierten Territorium im Irak und im Nachbarland Syrien aus.

In Audscha wurde der Sunnit Saddam geboren, er umgab sich mit zahlreichen Vertrauten und Verwandten aus Audscha und Tikrit. Die Einnahme des Dorfes bei Tikrit durch Soldaten der schiitisch geführten Regierung ist daher von einiger Symbolkraft. Im Irak verlaufen die Konfliktlinien vor allem zwischen Schiiten und Sunniten. Letztere hatten unter Saddam das Sagen und fühlen sich heute von der vom Schiiten Nuri al-Maliki geführten Regierung unterdrückt.

Großajatollah Al-Sistani forderte in einer Predigt bei den Freitagsgebeten erneut, dass die neue Regierung eine "breite nationale Akzeptanz" haben müsse. Der Westen hat Maliki wiederholt aufgefordert, eine Regierung der nationalen Einheit zu bilden, an der Schiiten, Sunniten und Kurden beteiligt sein müssten. Der schiitische Geistliche kritisierte, dass es die Abgeordneten bei ihrer Sitzung am Dienstag nicht geschafft hätten, eine Regierung zu bilden.

Maliki selbst hat sich zuversichtlich geäußert, dass kommende Woche die Bildung einer Regierung gelingen werde. Das Parlament vertagte seine konstituierende Sitzung nach dem Scheitern des ersten Versuchs. Eine neue Regierung gilt als eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Stabilisierung des Landes.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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