Islam-Äußerung
Ahmadinedschad verteidigt den Papst

Die islamische Welt ist weiter in Aufruhr. Die wütenden Proteste ebben auch nach dem Ausdruck persönlichen Bedauerns von Benedikt XVI. über sein Regensburger Islam-Zitat nicht ab. Das Terrornetzwerk El-Kaida droht mit Gewalt, Schutzvorkehrungen für Kirchen werden verstärkt. Doch es gibt auch unerwartete Unterstützung für den Papst.

HB NEW YORK/CARACAS. Im Streit über die Islam-Äußerungen des Papstes hat Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad die Klarstellung von Benedikt XVI. akzeptiert. Er schlug damit einen anderen Ton als Irans geistliches Oberhaupt Ajatollah Chamenei an. Der Papst habe seine Aussagen "abgeändert", sagte Ahmadinedschad zum Abschluss eines zweitägigen Besuchs in Venezuela. "Wir respektieren den Papst und all jene, die für Frieden und Gerechtigkeit sind", sagte der iranische Präsident.

Auch der malaysische Regierungschef sagte, er akzeptiere die Entschuldigung des Papstes. In Zukunft müsse Benedikt jedoch Bemerkungen vermeiden, die Muslime beleidigen könnten.

Benedikt XVI. hatte am Sonntag erstmals persönlich Bedauern über die Missverständnisse nach seinen Äußerungen bekundet. Die Bundesregierung wollte die Entschuldigung des Papstes nicht kommentieren. In einem am Samstag veröffentlichten Interview hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel jedoch erklärt, wer den Papst kritisiere, verkenne die Absicht seiner Rede.

US-Präsident George W. Bush bezeichnete die Worte des Papstes nach seinen umstrittenen Äußerungen als aufrichtig. Gleichzeitig verurteilte die US-Regierung Drohungen von El-Kaida und anderen Organisationen gegen das katholische Kirchenoberhaupt. Der Respekt für eine Religion und religiöse Toleranz ließen keinen Raum für Drohungen oder Gewalt gegen religiöse Einrichtungen wie Kirchen, Moscheen, Synagogen und Tempel, sagte Außenamtssprecher Tom Casey. Die freie Religionsausübung sei ein fundamentales Menschenrecht, sagte Casey. Deshalb sollten sich alle Religionsgruppen gegenseitig mit Respekt

Der Papst hatte in einer Vorlesung an der Regensburger Universität einen byzantinischen Kaiser aus dem 14. Jahrhundert mit den Worten zitiert, der Prophet Mohammed habe nur Schlechtes und Inhumanes gebracht, indem er für die Verbreitung des Glaubens mit dem Schwert eingetreten sei.

Trotz der Versuche des Vatikans, die empörten Muslime zu beschwichtigen, kommt die islamische Wet nicht zur Ruhe. Wegen der Auseinandersetzungen hat die britische Polizei Schutzvorkehrungen für hunderte Kirchen und Moscheen verstärkt. An die Verantwortlichen in religiösen Stätten im Großraum London und einigen anderen Gegenden des Landes seien insgeheim Notrufnummern für den Fall von Angriffen ausgegeben worden, berichtete am Dienstag die Zeitung „Daily Telegraph“.

Derweil hat Scotland Yard Ermittlungen gegen mehrere muslimische Extremisten aufgenommen, die in den vergangenen Tagen bei Demonstrationen zu Gewalttaten gegen die katholische Kirche und den Papst aufgerufen hatten. Londons stellvertretender Polizeichef Tarique Ghaffur betonte in einer Stellungnahme, die Sicherheitskräfte würden nicht zulassen, „dass Leute an Demonstrationen teilnehmen, um dabei Gesetze zu brechen“. In britischen Kirchenkreisen wird nach Angaben der Zeitung befürchtet, dass eine erhöhte Polizeipräsenz vor Gotteshäusern die gespannte Lage nach den Papst-Äußerungen noch anheizen könnte.

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