Islamischer Staat und die Anti-Terror-Koalition

Was bringt der Luftkrieg gegen den IS?

Heute startet die Syrien-Mission für die deutschen Tornados. Fast täglich fliegt der Westen Angriffe auf IS-Ziele – und verbraucht dabei Unmengen an Munition. Entscheidend geschwächt sind die Terroristen aber nicht.
22 Kommentare

„Wir haben alle ein mulmiges Gefühl“

Washington/MoskauEs sollte das größte Militärbündnis seit Ende des Zweiten Weltkriegs werden. Ab heute mischt auch die Bundeswehr mit ihren Tornados mit. Doch die insgesamt 65 Länder, die US-Präsident Barack Obama in seiner Koalition im Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) hinter sich hat, sind mit Blick auf ihren militärischen Beitrag ein recht bunter Haufen. Wer trägt zu den Bombardements bei, und wie wirkungsvoll sind die Angriffe?

Fast täglich listet das US-Zentralkommando attackierte IS-Ziele auf: Hier eine Kampfeinheit, dort eine Ölquelle, einige Fahrzeuge, Bunker, Depots, Trainingslager. Doch Berichte über Mangel an Munition wecken Zweifel, wie effizient die Attacken sind.

„Die Luftwaffe braucht ihre Munition schneller auf, als wir sie auffüllen können“, teilte US-General Mark Welsh kürzlich mit. In „Rekordzahl“ hätten B-1-Maschinen Bomben abgeworfen, F-15-Kampfflugzeuge seien wegen ihrer „großen Bandbreite an Waffen“ im Einsatz. Die Menge an Munition liege „unterhalb unserer gewünschten Ziele“, sagt ein hochrangiger Vertreter der Luftwaffe dem Sender CNN.

Auch US-Heeresoberst Steve Warren, der vor zwei Wochen von einem Luftangriff auf IS-Tanklaster berichtete, gestand ein: „Ihre Munition war leer, bevor sie soweit kamen, aber Ziel war, jeden einzelnen Lastwagen zu zerstören.“ Schätzungen zufolge hat die Luftwaffe im Irak und in Syrien mehr als 20.000 Raketen und Bomben abgefeuert.

Mehr als 8500 Bombardements des Bündnisses zählen die USA seit Beginn der Angriffe vor 15 Monaten, rund ein Drittel davon in Syrien. 95 Prozent der Luftschläge gehen auf das Konto der Vereinigten Staaten, im Irak schultern sie knapp 70 Prozent der Angriffe. Die Operation hat Washington bereits 5,2 Milliarden Dollar (4,8 Milliarden Euro) gekostet.

Profitiert von diesen Luftangriffen haben – zum Verdruss der Türkei – vor allem Kurden. So gelang es den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG), syrischer Ableger der verbotenen Arbeiterpartei PKK, die lange umkämpfte Grenzstadt Kobane zu befreien. Zudem rückten sie in weitere nordsyrische Gebiete vor, die unter IS-Kontrolle standen, eine empfindliche Niederlage für die Extremisten. Auch Iraks Kurden konnten die IS-Miliz aus größeren Regionen zurückdrängen.

So hat der IS Gebiete verloren, auch die Bewegungsfreiheit seiner Kämpfer wurde eingeschränkt. Entscheidend schwächen aber konnten ihn die Luftangriffe nicht. Noch immer erstreckt sich die IS-Herrschaft über weite Teile Syriens und des Iraks. Die Extremisten fördern und schmuggeln weiterhin Öl. Auch der Zustrom ausländischer Kämpfer ist nicht gestoppt. Ihre Zahl soll sich nach Einschätzung von US-Analysten seit Mitte 2014 sogar mehr als verdoppelt haben.

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  • Erste Erfolge der Diplomatie.
    Man kann jetzt in Syrien ungestört bomben und danach eine politische Lösung suchen.

    Erdogans Lastwagen holen jetzt unser blliges Öl aus dem Nordirak, kaufen aber bei den örtlichen Chefs, nicht bei der Regierung des Irak. Damit bleibt der Ölpreis wie in Lybien günstigst und den Russen wird wieder eins ausgewischt.

    Europa sollte sich auf eine europäische Politik besinnen und nicht den Vasallen für die USA spielen. Es kann für Europa nur Lösungen mit Russland geben, Die Sanktionen helfen nur der Schuldenpolitik der USA und in Syrien sitzen bald alle auf einem Pulverfass. Die Zeit für eine Deeskalation ist reif.


  • „Was bringt der Luftkrieg gegen den IS?“

    Den Waffenproduzenten Umsatz und Gewinn, sonst gar nichts!

  • Ein Tornado ohne Bomben hat die Wirkung einer Wasserpistole.
    Tausende junge Syrer in deutschen Zelten ... anstatt an der Heimatfront. Die Aufgabe der Zeltbewohner übernehmen jetzt deutsche Soldaten. Krankes System.

  • Der Krieg mit Japan, wäre ohne den Atombombenangriff erst mit einer Invasion in Japan zu beenden gewesen, diese Kämpfe wären mit Sicherheit auf beiden Seiten mit hohen Verlusten verbunden gewesen.

    Der Abwurf diente neben der Erpobung der neuen Waffe auch als Signal in Richtung Stalin.

    Für Japan und die USA waren der Abwurf kriegsentscheiden, zumindest was die Länge und Fortdauer der Auseinandersetztung betrifft

  • Das was hier offiziell mt IS umschrieben wird, wird anscheinend zunehmend virtuell.
    Obwohl mittlerweile wohl hunderte bombenbestückte Kampfflugzeuge tag und nacht im einsatz sind, lassen sich die IS-truppen angeblich nicht schwächen? Es werden Satellitenaufnahmen von hunderten von ÖL-LKWs gezeigt, aber irgendwie scheinen die schwer zu treffen sein? Die Öltransporte gehen zumindest weiter.
    Und dann verfügt der IS über die fähigkeit sich inder Wüste zu verstecken! Erstaunlich, wo man doch eher nur Sand und Dünen dort vermuten würde. Vergraben die sich da, mitsamt ihren Fahrzeugen oder wie macht man sowas?
    Aus dem Ukrainekrieg haben viele zwangsrekrutierte Ukainer berichtet, dass sie ihre Munition so schnell wie möglich in die Luft verschossen haben um sich so den Kämpfen gegen ihre ebenfalls ukrainischen Nachbarn zu entziehen, aber hier in syrien scheint es mir doch eher Befehl von oben zu sein, hier möglichst viel "Staub" aufzuwirbeln, ohne wirklich grossen schaden zu verursachen, schon gar keinen strategischen.
    Der Hauptfeind heisst wohl immer noch Assad und Russland, so wie das vor ein paar Monaten auch noch die offizielle Position war.

  • Wenn Sie die Wahl der Person des Jahres der "Times" meinen, hier eine Note zur Wahl aus China: Zur Person des Jahres wurden auch schon Hitler und Stalin gewählt, da Sie nichts mit Moral sondern Machtausübung zu tun hat! Weitere "ehrenwerte" Personen darunter: George W. Bush und Vater, Nikola Chrustschow, Richard Nixon....

  • »Als die abgeworfen wurden, war der Krieg für Japan ohnehin schon verloren.«

    So seh' ich das auch. Das war der erste Baustein für die amerikanische Nachkriegspolitik und wie immer traf es hauptsächlich die Zivilbevölkerung, ebenso bei den Flächenbombardements in Vietnam. Noch heute kommen missgebildete Kinder zur Welt als Folge von Napalm und Agent Orange. Heute verschießen sie Uran angereicherte Munition mit verheerenden Folgen über die Kriegszeiten hinaus. Verklagen kann (will) man sie nicht…

  • Ich kanns mir nicht vekneifen: Wie sollen die Luftangriffe auch was bringen, wenn unsere schlagkräftige BW auf Befehl von Flinten-Uschi nicht mitmacht. Geht doch gar net, aber jetzt räumen unsere 1.200 Männer ordentlich auf. Übrigens sind die 1.200 m.E. Falschangaben. Soweit mir bekannt ist sind 1.200 aktiv im Einsatz, mit Urlaubszeiten und Abwesenheiten, werden also mehr natürliche Personen eingesetzt als 1.200.

  • @Herr Reuter

    Ich habe nicht geschrieben, Luftschläge wären völlig bedeutungslos, sondern das Kriege auf dem Boden entschieden werden.

    In Vietnam wurden mehr Bomben als im gesamten WKII abgeworfen und trotzdem hat der Vietcong gewonnen, weil er auf dem Boden erfogreicher operierte als die US-Truppen.

    In Afgahanistan konnten die Taliban nur von der Macht verdrängt werden weil die Truppen der sog. Nordallianz auf dem Boden erfolgreich waren, wenn auch mit Unterstützung durch Luftangriffe der Amerikaner.

    Es bleibt also dabei, nur erfogreiche Bodenoffensiven sind kriegsentscheidend,
    Luftkriege für scih genommen können nur Teil einer Strategie sein und ersetzten keinesfalls Operationen auf dem Boden.

    Das die "große Allianz" sich auf einen neuen Bodenkrieg nach den Erfahrungen im Irak nicht einlassen will, bleiben nur die Kurden und Assad übrig, zumindest was Syrien angeht, im Irak sind bestenfalls ein paar Stammesfüher bereit gegen den IS zu kämpfen, wenn überhaupt.

  • Was bringt ...........
    Auf jeden Fall der Rüstungsindustrie und deren Vasallen hunderte Millionen Dollar.
    Also, es lohnt sich doch für Wenige.

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