Islamischer Staat
Verteidigung der Marke mit noch mehr Gewalt

Der Islamische Staat ist unter Druck. Militärische Niederlagen säen bei den Anhängern Zweifel an seiner Unbesiegbarkeit. Um weiter attraktiv zu bleiben, verteidigt er seine Marke der Brutalität mit noch mehr Gewalt.

Tel AvivIn den vergangenen 48 Stunden hat der Islamische Staat mehrere Niederlagen einstecken müssen, die bei seinen Anhängern Zweifel an seiner Unbesiegbarkeit aufkommen lassen. Jüngstes Beispiel ist der amerikanische Drohnen-Angriff auf „Dschihadi John“, das Symbol der IS-Grausamkeit. Er könnte bei einer Luftattacke auf Rakka, die Hauptstadt des Islamischen Staates, getötet worden sein.

Der britische Premier David Cameron bezeichnete am Freitag den Terroristen als „Bedrohung für die Welt“, wollte allerdings nicht bestätigen, dass Dschihadi John beim Angriff getötet wurde. Das Pentagon spricht hingegen von einer „hohen Wahrscheinlichkeit“, dass der Brite beim Drohnenangriff umgekommen sei.

Der Mann, der eigentlich Mohammed Emwazi heißt und in Großbritannien aufgewachsen ist, steht ganz oben auf der Wanted-Liste Londons und Washingtons. Emwazis Tod hat für sie seit Monaten Top-Priorität.

Dschihadi John ist im Westen der Inbegriff der perversen IS-Brutalität, nachdem er auf Hinrichtungsvideos westlicher Geiseln mit britischem Akzent deren Ermordung kommentiert und weitere Morde durch das Messer angedroht hatte.

Auch wenn Dschihadi John in seiner Terror-Karriere keine Führungspositionen bekleidet hat: Sein Tod wäre ein schwerer Schlag für die stets auf krankhafte Publicity und Erfolgsmeldungen achtenden Strategen des IS. Der britische Bürger, 1988 in Kuwait geboren und 1994 nach England ausgewandert, schloss sich vor rund zwei Jahren dem IS in Syrien an.

Im Westen wurde er im vergangenen Jahr durch Enthauptungsvideos bekannt, auf denen zum Beispiel der amerikanische Journalist Steven Sotloff, der britische Mitarbeiter eines Hilfswerks, David Heines oder der japanische Reporter Kenji Goto geköpft wurden. Der Informatiker mit einem Abschluss der Universität Westminster hatte sich bei den Hinrichtungen mit einem langen Messer, einem schwarzen Überhang und einer übers Gesicht gezogenen Skimütze filmen lassen.

Dschihadi John habe stets möglichst viel Drama angestrebt, schreibt der spanische Journalist Javier Espinosa in seiner Zeitung El Mundo, der nach einer sechs Monate langen IS-Gefangenschaft befreit werden konnte. Er „hatte jeweils ein antikes Schwert bei sich, das die arabischen Armeen im Mittelalter verwendet hatten.“

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