Islamisten contra Präsident
Machtprobe um pakistanische Moschee spitzt sich zu

Radikale Islamisten halten in der Roten Moschee in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad nach Angaben von Augenzeugen hunderte von Frauen und Mädchen davon ab, sich den Sicherheitskräften von Präsident Pervez Musharraf zu ergeben. Damit drohen sie als menschliche Schutzschilde gegen eine Erstürmung durch die Sicherheitskräfte missbraucht zu werden.

HB ISLAMABAD. „Der wichtigste Punkt für die Regierung ist, dass es so wenig wie möglich Opfer gibt und dass der Einsatz so schnell wie möglich zu Ende gebracht wird“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Donnerstag.

Nach dem Ablauf eines weiteren Ultimatums verließen nur wenige Schüler das Gelände, das seit Tagen von hunderten Soldaten umstellt ist. Rund 850 Menschen harrten weiter aus, darunter offenbar 650 Frauen und Mädchen. Eine Zwölfjährige, die die Moschee am Morgen verließ, sagte, es seien noch zwischen 35 und 40 Schüler in ihrem Alter dort.

Aufrufe der Anführer der mit den afghanischen Taliban verbündeten Gruppe, den Kampf aufzugeben, verhallten ohne Echo. Der Chef der Gruppe, Abdul Asis, war am Mittwoch bei dem Versuch festgenommen worden, den Sicherheitskräften als Frau verkleidet zu entkommen.

Asis sagte in einem Interview, Lehrerinnen hätten die Mädchen davon überzeugt, nicht aufzugeben. „Sie werden nicht als menschliche Schutzschilde benutzt, wir haben ihnen nur die Leidenschaft für den religiösen Kampf vermittelt“, sagte Asis. Das Interview wurde vom staatlichen Fernsehen ausgestrahlt.

Dabei trug der Geistliche wie bei seiner Festnahme eine Burka. Zum Auftakt des Gesprächs lüftete er den schwarzen Schleier des Kleides und lächelte graubärtig in die Kamera. Auch Asis erneuerte seinen Aufruf, die Auseinandersetzung zu beenden: „Es ist nur zum Schaden der Schüler, dort zu bleiben. Sie sollten das Gelände entweder verlassen, wenn das möglich ist, oder sich ergeben.“

Vor Tagesanbruch erhöhten die Sicherheitskräfte mit einer Reihe von Explosionen den Druck auf die Verschanzten. Dabei wurde Behördenangaben zufolge auch ein Stück Wand der Moschee zerstört. Zudem schossen die Soldaten Tränengas in das Gebäude. Anschließend waren Schüsse zu hören. Nach 20 Minuten kehrte aber wieder Ruhe ein.

Krankenhausärzten zufolge wurden mehrere Menschen in der Nacht verletzt. Ein Geheimdienstvertreter sagte, ein Student sei getötet worden. Seit der Kampf um die Moschee am Dienstag begann, sind mindestens 16 Menschen ums Leben gekommen.

Die Islamisten der Roten Moschee haben ihre Machtprobe mit der mit den USA verbündeten Regierung seit Januar Zug um Zug verschärft. Liberale Politiker fordern seit Monaten von Musharraf, gegen die Gruppe durchzugreifen.

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