Islamistischer Hintergrund vermutet
Brutaler Anschlag auf offener Straße schockiert London

Ein Soldat wird in London vor der Kaserne getötet. Die Behörden befürchten einen Akt des Terrors, weil die Angreifer islamistische Parolen skandiert haben sollen. Großbritanniens Regierung ist im Alarmzustand.

LondonKurz vor dem vor allem in Deutschland mit Spannung erwarteten Champions-League-Endspiel in London herrscht an der Themse Terrorangst. Am Mittwoch brachten zwei Männer im Stadtteil Woolwich einen Mann auf offener Straße und am helllichten Tag um. Nach der brutalen Tötung eines Soldaten vor einer Kaserne in London ist es in Großbritannien zu islamfeindlichen Aktionen gekommen.

Ein 43-Jähriger wurde festgenommen, als er mit einem Messer in eine Moschee in der Hauptstadt eindrang, wie ein Abgeordneter auf Twitter berichtete. Ein zweiter Mann wurde wegen Verdachts auf rassistisch motivierte Sachbeschädigung im Südosten des Landes festgenommen.

Die zwei Angreifer in Woolich töteten mit einem Fleischerbeil oder einer Machete einen Mann, wenige Meter von einer Kaserne. Die Behörden bestätigten Augenzeugenberichte zunächst nicht, wonach es sich um einen Soldaten der britischen Armee aus einer nahe gelegenen Kaserne handelt.

Premierminister David Cameron berief noch für den Abend eine Sondersitzung des Nationalen Sicherheitskabinetts ein und machte sich umgehend auf den Rückweg von einem Besuch in Paris. Es gebe „starke Anzeichen“, dass es sich um einen terroristischen Anschlag handele, sagte er. Großbritannien werde vor Terroristen „niemals einknicken“. Cameron wird am Morgen eine zweite Sitzung des Sicherheitskabinetts leiten. Die Terrorwarnstufe in Großbritannien wurde zunächst nicht angehoben.

Auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen verurteilte die Tat. „Solche Anschläge sind niemals zu rechtfertigen“, sagte er in einem Statement. Die britische Innenministerin Theresa May sagte nach der ersten Sitzung des Sicherheitskabinetts, es sein ein Anschlag „auf alle in Großbritannien“ gewesen.

Der britische Sender ITV veröffentlichte ein Video, das den mutmaßlichen Angreifer zeigen soll. Der dunkelhäutige Mann, hält ein Fleischerbeil und ein Messer in seinen offenbar blutverschmierten Händen. Der Gefilmte gibt sich in dem Video als Angreifer aus - und entschuldigt sich, dass Frauen die Tat mitansehen müssten. „Aber in unserem Land müssen Frauen dasselbe ansehen“, sagt er.

Sicherheitsvorkehrungen vor Kasernen verstärkt

Das Video scheint kurz nach der Tat aufgenommen worden zu sein - wirft aber viele Fragen auf: Es bleibt zum Beispiel unklar, warum der Gefilmte den Tatort nicht verlässt. Offen bleibt zudem, wer das Video gedreht hat.

„Leute, ihr werdet niemals sicher sein“, fährt der mutmaßliche Attentäter fort. „Setzt Eure Regierung ab. Sie kümmert sich nicht um Euch!“, fordert er. Das Video zeigt anschließend, wie er und ein weiterer Mann auf dem Boden liegen, nachdem Polizisten auf sie geschossen haben. Die mutmaßlichen Täter sollen auch „Alluha Akbar“ („Gott ist groß“) gerufen haben, berichtete die BBC unter Berufung auf Regierungskreise. Nach Angaben eines Polizeisprechers werden in unterschiedlichen Krankenhäusern ihre Schussverletzungen behandelt. Einer der beiden soll in Lebensgefahr schweben.

Der britische Muslimrat verurteilte das Verbrechen. „Nichts rechtfertigt diesen Mord. Barbarische Akte können in keiner Weise mit dem Islam entschuldigt werden“, hieß es in einem Statement.

Unklar blieb zunächst, ob die allgemeine Sicherheitslage in London von dem Vorfall beeinträchtigt ist. Am Wochenende werden Zehntausende Besucher aus Deutschland in der Stadt erwartet, wenn im Wembley-Stadion die Mannschaften von Borussia Dortmund und Bayern München im Finale der Fußball Champions League aufeinandertreffen.

Die Sicherheitsvorkehrungen im Umfeld der Kaserne in Woolwich sowie an anderen britischen Militäreinrichtungen wurden verstärkt. Sollte sich der Terrorverdacht erhärten, wäre es der erste nennenswerte Terrorakt auf britischem Boden, seit 2005 bei Anschlägen auf U-Bahnen und Busse 52 Menschen ums Leben gekommen waren.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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