Islamistischer Terror
Die perfide Strategie des IS

Mit Geld, Waffen und Internetvideos kämpfen die Terroristen des selbsternannten „Islamischen Staats“ ihren Krieg gegen die Freiheit. Für den Westen ist der IS gefährlicher als Al Kaida. Trotzdem kann er besiegt werden.

Tel AvivDie Pariser Tragödie beginnt im September 2014. Muhammad al-Adnani, der Sprecher des Islamischen Staates, verkündet eine neue Fatwa, die zum Kampf der Dschihadisten gegen den Westen aufruft. „Wenn ihr einen amerikanischen oder europäischen Ungläubigen - besonders unter den boshaften und verfluchten Franzosen - töten könnt, dann verlasst euch auf Gott.“ Neben den Franzosen werden als „lohnende“ Ziele auch Australier, Kanadier genannt, sowie alle Bürger, deren Regierungen gegen den Islamischen Staat kämpfen.

Diese Fatwa leitet eine neue Strategie ein. Seither gelten neue Spielregeln, seither setzt der Islamische Staat seine Energien global ein: Jüngst gegen russische Touristen im Sinai, zuvor auch gegen schiitische Milizen in Beirut oder gegen Türken in Ankara.

Und in der Nacht vom Freitag auf den Samstag in Paris.

Frankreich sei wegen seiner Stellung als Zentrum „der Prostitution und Obszönität“ ausgewählt worden. Es sei aber bloß der erste Sturm, weitere würden folgen, ließen PR-Strategen des IS nach dem Massaker verkünden. Frankreich und diejenigen, die mit ihnen sind, sollten wissen, „dass sie auf der Liste des Islamischen Staates ganz oben sind. Der Geruch des Todes wird ihre Nasen nie verlassen...“.

Dass der Islamische Staat in Europa ins Visier nimmt, ist für Geheimdienstler keine Überraschung. Bereits im September begründeten französische Nachrichtenoffiziere die Notwendigkeit von Luftangriffen auf IS-Stellungen in Syrien mit Informationen, der IS plane Attacken in Europa. Im Sommer verfügte man über „sehr klare“ Informationen, dass der Islamische Staat Europäer rekrutiere und trainiere, um sie als ausgebildete Terroristen zurück in die Heimat zu schicken. Premierminister Manuel Valls sprach von 1880 französischen Bürgern, die im Netzwerk des radikal-islamischen Terrors aktiv seien. 444 waren damals noch in Syrien, und 133 waren bei Kämpfen umgekommen. Es bestehe die Gefahr, hieß es in Paris, dass die Zahl der französischen Dschihadisten so stark ansteige, dass man diese Leute nicht mehr überwachen könne.

Der Islamische Staat ist gefährlicher als Al Kaida, weil er sich komplexere Operationen leisten kann. Er verfügt erstens über eigene Einnahmenquellen und kontrolliert Gebiete, in denen er Steuern erheben kann. An den Waffenbeständen der irakischen Armee hat er sich ausgiebig bedient. Als er die Stadt Mosul eroberte, stahl er in der lokalen Filiale der Irakischen Zentralbank 400 Millionen Dollar und Gold.

Zweitens kann der IS über fanatische Anhänger nicht nur im Mittleren Osten, sondern auch in West-Europa, im Maghreb und in der Türkei zählen. IS-Zellen bestehen ebenfalls in Saudi Arabien, im Jemen, in Ägypten, Libyen und Algerien, ferner in Nigeria (Abu Sayyaf) und auf den Philippinen (Abu Sayyaf).

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