Israel
Analyse: Einzig und überfordert

Je länger der Krieg im Libanon dauert, desto lauter wird auch in Deutschland die Kritik an Israel. Auf dem Schlachtfeld steht die Entscheidung noch aus, doch den Kampf um die Köpfe haben die Israelis zumindest in Europa bereits verloren.

Dort wie auch hier zu Lande öffnet sich zusehends die Schere zwischen der Politik und der öffentlichen Meinung, nicht nur im aktuellen Konflikt: Außenpolitisch stehen die EU-Staaten, allen voran Deutschland, fest an der Seite Israels. Kein anderes Land, die USA vielleicht ausgenommen, hat so enge politische, wirtschaftliche und militärische Beziehungen zum Judenstaat wie die Bundesrepublik. Diese Sonderbeziehung ist, wie deutsche Diplomaten gerne sagen, Teil der deutschen Staatsräson.

Die öffentliche Meinung dagegen schwankt, sieht Israel mittlerweile zu einem großen Teil sogar als den eigentlichen Störfaktor im Nahen Osten. Perfide wirkender, obwohl so nicht einmal gemeinter Höhepunkt dieser Tendenz war die jüngste Äußerung des SWR-Intendanten Voß, Israel sei als Staat nicht zu halten.

Hintergrund dieses Auseinanderdriftens ist ein objektiver Umstand. Israel ist ein Staat wie kein anderer auf der Welt: Heimstatt der Juden, einsame Demokratie in einer Region von Despotien, in seinem Existenzrecht von einigen Nachbarn nicht anerkannt, schon Ende des 19. Jahrhundert entworfen, aber ohne den Holocaust kaum zu denken.

Doch gleichzeitig ist es ein Staat wie jeder andere: mit vielfältigen politischen Strömungen, mit scharfen inneren Konflikten, die teilweise gewalttätig ausgetragen werden, und vor allem: mit Politikern, die keine Ausnahmeerscheinungen sind, denen teils schwere Schnitzer unterlaufen, wenn sie nicht schlicht überfordert wirken.

Da liegt die große Schwierigkeit für Israels Freunde, allen voran Deutschland: Man traut sich kaum, öffentlich Ratschläge zu erteilen, weil das Land latent in seiner Existenz bedroht ist. Dennoch hätte es Einmischung bitter nötig.

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