Israel
Barak führt die Arbeitspartei

Der frühere israelische Ministerpräsident Ehud Barak ist zum neuen Vorsitzenden der Arbeitspartei gewählt worden. Die Wahl gilt als bedeutend für die Zukunft des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert (Kadima), der wegen Misserfolgen im jüngsten Libanon-Krieg politisch angeschlagen ist.

HB TEL AVIV. Wie israelische Medien am Mittwochmorgen berichteten, stimmten bei einer Stichwahl am Dienstag 51,3 Prozent der Parteimitglieder für den 65-Jährigen. Auf den früheren Chef des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet, Ami Ajalon (61), entfielen demnach 47,7 Prozent der Stimmen. Die Arbeitspartei ist der wichtigste Koalitionspartner des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert (Kadima).

In einer Siegesrede dankte Barak noch in der Nacht dem bisherigen Chef der Arbeitspartei, Amir Perez, der bereits in einer ersten Wahlrunde Ende Mai aus dem Rennen um den Parteivorsitz ausgeschieden war. „Heute nehme ich die Arbeit als Chef der Arbeitspartei auf“, sagte er vor jubelnden Anhängern in der Parteizentrale in Tel Aviv. Er rief die Parteimitglieder zur Einheit auf, vermied es aber, in seiner Rede einen programmatischen Ausblick zu geben. Er wolle die israelischen Sicherheitskräfte verstärken, sagte Barak lediglich, was von Beobachtern als Zeichen seines Interesses am Verteidigungsministerium gewertet wurde, das derzeit von Perez geleitet wird.

Barak hatte vor der Wahl einen Rücktritt Olmerts innerhalb eines Vierteljahres gefordert. Andernfalls werde er sich entweder für die Bildung einer neuen Regierung oder Neuwahlen einsetzen, kündigte er an.

Unterdessen warfen Anhänger Ajalons dem Barak-Lager Wahlbetrug vor. So habe es in einigen arabischen und drusischen Gemeinden, wo Barak mit deutlichem Vorsprung die meisten Stimmen erhielt, Unregelmäßigkeiten gegeben. „Unglücklicherweise hat es schwere Fälle von Fälschungen in sehr großem Umfang gegeben“, sagte Ajalons Wahlkampfberater Juval Porat der Zeitung „Haaretz“. Man prüfe deshalbeine Anfechtung der Wahl. Ajalon selbst sagte in der Nacht, er akzeptiere jedes Wahlergebnis. Er wolle die Wahl auch nicht in den Parteiinstitutionen anfechten, behielt sich aber dennoch rechtliche Schritte gegen mögliche Betrüger vor.

Rund 100 000 Mitglieder der Arbeitspartei waren am Dienstag aufgerufen, in der Stichwahl zwischen Barak und Ajalon als neuem Parteichef zu entscheiden. Nach der ersten Wahlrunde am 28. Mai hatten sie noch mit 35,6 beziehungsweise 30,6 Prozent dichtauf gelegen, während Perez mit nur einem Viertel der Stimmen ausgeschieden war. Ein zweiter Wahlgang war nötig geworden, da keiner der Kandidaten die erforderliche 40-Prozent-Marke erreicht hatte.

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