Israel Defense Forces
Der Drei-Fronten-Krieg

Israels Armee gehört zu den kampferprobtesten der Welt. Keine Institution ist angesehener, und keine durchdringt Israels Gesellschaft so wie die Streitkräfte. Für Israelis ist sie die Lebensversicherung ihres Staates. Doch im Kampf gegen die Hisbollah droht sie zu straucheln. Eine Handelsblatt-Reportage.

TEL AVIV. Als der Anruf kurz nach Mitternacht kommt, zögert Yohanan keine Sekunde. Am nächsten Tag hat er sich auf seiner Militärbasis einzufinden, und das macht ihn stolz. Sein Land braucht ihn. Das beweise sein „Zav Schmone“, der Einberufungsbefehl für Reservisten.

Morgens verständigt der 26-jährige Jurist seine Kanzlei – und weg ist er, irgendwo an der Front zum Libanon, als Teil der israelischen Bodentruppen, die zum Einmarsch bereitstehen. Unterwegs summt er das derzeit populäre Lied vor sich hin: „Wir haben den Pharao überlebt, wir werden auch das überstehen.“

Militärs auf der ganzen Welt bewundern die „Israel Defense Forces“. Die IDF gelten als eine der stärksten, erfahrensten, modernsten und erfolgreichsten Armeen überhaupt. Doch sie zählen auch zu den umstrittensten, weil ihnen immer wieder – wie beim Angriff auf die Hisbollah im Libanon – übertriebener Gewalteinsatz vorgeworfen wird. So kamen am Montag mindestens 51 Menschen bei einem Luftangriff auf ein südlibanesisches Dorf ums Leben. Die Zivilisten seien zuvor zum Verlassen aufgefordert worden, sagt ein Armeesprecher.

Trotz der internationalen Kritik am Vorgehen der Armee: Für Israelis ist sie die Lebensversicherung ihres Staates. Keine Institution ist angesehener, und keine durchdringt Israels Gesellschaft so wie die Streitkräfte. Viele israelische Premierminister kamen aus der Armee – nicht jedoch Ehud Olmert. Mit jedem Tag, den die Offensive im Libanon die Hisbollah nicht spürbar zurückdrängt, muss Olmert mit mehr Kritik rechnen.

Noch ist der Einsatz der Armee im Südlibanon in Israel kaum umstritten. Wie 80 Prozent seiner Landsleute hält Reservist Yohanan den Krieg gegen die radikalislamische Hisbollah für nötig, gerechtfertigt und unvermeidlich. Er sei eine vorweggenommene Notwehr, sagt Yohanan. Die Hisbollah habe in den vergangenen Jahren über 10 000 Raketen erhalten, die teilweise bis nach Tel Aviv reichten. Wer von „Proportionen“ spreche, müsse auch berücksichtigen, welchen Schaden diese Raketen in Israel anrichteten – zum Beispiel in der drittgrößten Stadt Haifa.

Yohanan ist einer von Tausenden, die die Armee aus dem Alltag reißt, wenn Israel bedroht ist. Und das ist oft. Kein anderer Staat hat in den vergangenen Jahrzehnten mehr Kriege geführt als Israel. Eigentlich ist Israel seit seiner Gründung 1948 immer im Krieg. Etwa alle zehn Jahre sogar in einem großen. Derzeit kämpfen die IDF an drei Fronten: im Libanon, im Gaza-Streifen und in der Westbank.

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