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Israel: Die Angst vor der ägyptischen Muslimbruderschaft ist groß

Jahrzehntelang war Ägyptens Präsident Hosni Mubarak für die Israelis weder Freund noch Feind. Die Politiker beobachteten ihn misstrauisch, und auch die Bevölkerung traute ihm nicht über den Weg - obwohl es zwischen beiden Staaten einen Friedensvertrag gibt.

Israelische Flagge: Der Umbruch in Ägypten wird mit gemischten Gefühlen beobachtet. Quelle: dpa
Israelische Flagge: Der Umbruch in Ägypten wird mit gemischten Gefühlen beobachtet. Quelle: dpa

TEL AVIV/LONDON. Immerhin war Mubarak aus israelischer Sicht besser als andere arabische Potentaten. Wie reagieren Israelis jetzt auf den offenbar bevorstehenden Sturz Mubaraks, der gegenüber ihrem Land stets einen moderaten Kurs verfolgt hat? "Ich hätte nie gedacht, dass ich auf Mubarak hoffe. Ich bete zwar nicht für ihn, aber ich sehne mich nach ihm - obwohl er noch gar nicht verschwunden ist", sagt eine alte Frau.

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Sie hat die Ägypter nie gemocht und erst recht nicht den Ex-General Mubarak an ihrer Spitze. Schließlich fiel ihr einziger Sohn 1973 im Jom-Kippur-Krieg an der ägyptischen Front. Und nun ist für die alte Frau aus dem Feind Mubarak plötzlich ein Hoffnungsträger geworden.

So wie die alte Frau denken in diesen Tagen viele Israelis. Tatsächlich steht ja nicht nur im südlichen Nachbarland Ägypten das Mubarak-Regime vor dem Aus. Im Norden, in Libanon, hat die Hisbollah die Macht übernommen. Und in Jordanien musste König Abdullah II. jetzt unter dem massiven Druck der Straße die Regierung entlassen.

Die Israelis sind zwar seit Jahrzehnten daran gewöhnt, dass sich ihr Staat in einer prekären Sicherheitslage befindet, permanent bedroht durch feindselig gesinnte Nachbarn. Dass nun aber auch noch an der Grenze zur ägyptischen Sinai-Halbinsel massive Gefahr aufziehen könnte, alarmiert viele. "Wenn die Islamisten in Kairo an die Macht kommen, dann wird's heiß", sagen Gäste in Cafés von Tel Aviv übereinstimmend. Dass ein Krieg droht, falls die Muslimbruderschaft am Nil die Macht übernimmt, steht für alle mehr oder weniger fest.

Mit ihren Sorgen sind die Israelis nicht alleine. Auch Simon Sole, Chef der britischen Sicherheitsberatung Exclusive Analysis, fürchtet, Israel werde zu den Hauptleidtragenden der Unruhen in Ägypten gehören. Denn das Land profitiere zurzeit von umfangreichen Lieferverträgen für Öl und Gas aus Ägypten. Diese Verträge seien in der ägyptischen Bevölkerung aber alles andere als beliebt. Deshalb erwartet Sole, dass die Liefervereinbarungen nach einem Regimewechsel gekündigt werden. "Die Folge könnten Energieengpässe sein", warnt der Sicherheitsexperte. Tatsächlich stieg der Benzinpreis an Israels Tankstellen gestern auf ein Rekordniveau. Der Liter Sprit kostete 7,26 Schekel, das sind umgerechnet 1,43 Euro.

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