Israel droht mit langem Krieg
Banges Warten im Nervenkrieg um israelische Geisel

Nach Ablauf eines Ultimatums haben die palästinensischen Entführer eines israelischen Soldaten am Dienstag alle Kontakte abgebrochen. Im Nervenkrieg um eine Freilassung des 19-Jährigen scheinen die Bemühungen in die Sackgasse geraten zu sein. Israel hat bereits vor einem langen Krieg gewarnt.

HB GAZA. Seine Regierung werde viel Geduld aufbringen und wissen, wann sie zum entscheidenden Schlag ausholen müsse, sagte der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert am Dienstag. Er hatte die Frist der Geiselnehmer am Morgen verstreichen lassen, ohne deren Forderung nach einer Freilassung von tausend palästinensischen Häftlingen im Gegenzug für eine Heimkehr des entführten Soldaten zu erfüllen. Die Geiselnehmer erklärten daraufhin alle Gesprächsversuche für beendet. Ihr Anführer schloss eine Tötung des 19-Jährigen nicht aus.

„Das ist ein langer Krieg“, sagte Olmert. „Wir brauchen viel Geduld, manchmal müssen wir uns endlos zurückhalten. Wir müssen uns klar darüber sein, wann wir die Zähne zusammenbeißen und einen entscheidenden Schlag versetzen müssen.“ Innenminister Roni Bar-On drohte, Israel werde den Himmel über den Palästinensern zum Einsturz bringen, wenn der entführte Rekrut Schaden nehme. „Sollten sie ihre Drohungen ausführen, werden wir auf eine Art und Weise reagieren, wie es die Palästinenser noch nicht erlebt haben“, sagte er Radio Israel.

Grünes Licht für größeren Vormarsch

Der israelischen Tageszeitung „Maariw“ zufolge hat die Armee von der Regierung grünes Licht für einen größeren Vormarsch in den Norden des Gazastreifens erhalten. Israel ist bereits wieder in südliche Grenzgebiete des Küstenstreifens eingerückt, den es vor neun Monaten nach fast 40-jähriger Besatzungszeit verlassen hat. Seit mehr als einer Woche greift die Armee zudem aus der Luft Ziele an, darunter auch Regierungsgebäude.

Beide Seiten hielten jedoch zugleich die Hoffnungen auf eine Verhandlungslösung aufrecht: Der palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija rief die Extremisten dazu auf, das Leben ihrer Geisel zu schonen und für deren gute Behandlung Sorge zu tragen. „Wir betonen die Notwendigkeit, die politischen und diplomatischen Bemühungen und Verhandlungen fortzusetzen und die Tür nicht zu schließen“, sagte Hanija vor Mitgliedern seines Kabinetts. Der israelische Verteidigungsminister Amir Perez sagte einem Bericht der Zeitung „Haaretz“ zufolge seinerseits vor seiner sozialdemokratischen Fraktion: „Wir haben die Tür gegenüber den diplomatischen Bemühungen und dem internationalen Engagement nicht verschlossen und haben auch nicht die Absicht, dies zu tun.“

Seite 1:

Banges Warten im Nervenkrieg um israelische Geisel

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%