Israel droht Syrien nach Hamas-Doppelanschlag
Lage in Nahost droht zu eskalieren

Sicherheitskreisen zufolge will Israel nach den Selbstmordanschlägen in Beerscheba die gezielte Tötung von Anführern der radikalen Palästinenser-Gruppe Hamas wieder aufnehmen. Zudem drohte es seinem Nachbarland Syrien, dem es Komplizenschaft mit der Hamas vorwarf.

HB JERUSALEM. Wer auch immer für den Terror gegen uns verantwortlich ist, wird nicht mehr ruhig schlafen“, sagte Israels Armeechef Mosche Jaalon vor einem Parlamentsausschuss am Mittwoch. Zu den Zielen könnten auch von Syrien aus operierende Hamas-Anführer zählen. Die Hamas zeigte sich von Israels Ankündigung unbeeindruckt. Syrien nahm dazu zunächst nicht Stellung. Die Hamas hatte sich zu den Anschlägen auf zwei Busse bekannt, bei denen am Dienstag 16 Menschen getötet worden waren. Es war das schwerste palästinensische Attentat in Israel seit knapp sechs Monaten.

Israel erwägt den Sicherheitskreisen zufolge nun die gezielte Tötung von Hamas-Anführern auf das Ausland auszuweiten. „Die Strategie ist jetzt, Hamas-Anführer auszuschalten, wo immer sie sind“, sagte ein ranghoher Sicherheitsbeamter. Der israelischen Regierung zufolge trägt Syrien eine Mitschuld an den Anschlägen, da es der Hamas-Führungsriege erlaube von Damaskus aus zu operieren. Syrien hat diese Anschuldigungen stets zurückgewiesen.

Syrien unterstütze weiterhin Terrorgruppen, sagte der Berater von Israels Ministerpräsident Ariel Scharon, Raanan Gissin. „Das letzte Beispiel ist die Hamas und dieser Terroranschlag.“ Israel müsse sich mit denen befassen, die Terrorismus unterstützen, gleichgültig ob es Personen der Palästinenser-Regierung, der Hisbollah im Libanon oder Terrorkommandos sind, die mit Billigung Syriens von Damaskus aus operierten, sagte Jaalon. Nach einem palästinensischen Selbstmordanschlag im vergangenen Oktober in Haifa hatte Israel nach eigenen Angaben Ausbildungslager radikaler Palästinenser in Syrien aus der Luft angegriffen.

Hamas spricht von offenem Krieg

Ein Hamas-Sprecher sagte, die Drohungen Israels beeindrucke weder die Hamas-Führung noch deren Anhänger. „Das ist ein offener Krieg und so lange Israel mit seinen Verbrechen weiter macht, werden wir keine andere Wahl haben, als unsere Volk mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu verteidigen“, sagte der Sprecher. Die Hamas kämpft für eine Zerstörung Israels und hat in der Vergangenheit zahlreiche Anschläge auf Israelis verübt und dabei hunderte Menschen getötet.

Im Frühjahr hatte Israel die Hamas-Anführer Scheich Ahmed Jassin und Abdel Asis al-Rantissi mit gezielten Luftangriffen im Gaza-Streifen getötet. In den vergangenen Monaten hatte die Regierung Angriffe gegen die Hamas-Führung den Sicherheitskreisen jedoch ausgesetzt. Seitdem sind die Hamas- Chefs in dem Palästinenser-Gebiet, Mahmud al-Sahar und Ismail Hanije untergetaucht. Der politische Anführer der Hamas, Chaled Meschaal, lebt in der syrischen Hauptstadt Damaskus, seitdem er 1997 ein israelisches Attentat in Jordanien überlebt hatte.

Die Entscheidung, die Führungsriege der radikal-islamischen Hamas wieder ins Visier zu nehmen, sei in der Nacht bei Beratungen Scharons mit Verantwortlichen für die Sicherheit gefallen, hieß es aus den Kreisen. Die Wiederaufnahme der Tötungen könnte die Spannungen in der Region weiter verstärken und eine Umsetzung des Scharon-Plans eines Abzugs aus dem Gaza-Streifen erschweren.

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